Unser Verständnis

Was wir über den Medikationsalltag in der Pflege verstanden haben

Zwölf Situationen, die Pflegeteams, Leitungen und Kliniken kennen. Zu jeder: was wirklich dahintersteckt, was die antares Apotheke daraus macht – und was bewusst bei Ihnen bleibt.
Apothekerin der antares Apotheke prüft verblisterte Beutel am Prüfarbeitsplatz im Verblisterungsraum in Hamburg-Jenfeld
Kurz beantwortet: Was heißt es für eine Apotheke, den Medikationsalltag in der Pflege verstanden zu haben?

Für die antares Apotheke in Hamburg-Jenfeld heißt „verstanden“: zu wissen, an welchen Stellen Medikation im Alltag einer Einrichtung tatsächlich schwierig wird – bei Krankenhausrückkehr, fehlenden Rezepten, Präparatewechseln, Dosisänderungen, Bedarfsmedikation und Personalwechsel –, und die eigene Leistung genau dort anzusetzen. Das Problem ist selten die einzelne Tablette, sondern die Übergabe zwischen Arztpraxis, Apotheke und Pflege.

Verstanden heißt auch, die Grenzen zu benennen: Verblisterung verlagert das Zusammenstellen fester Arzneimittel in die Apotheke. Verordnung, Kontrolle vor der Gabe, Beobachtung und Dokumentation bleiben bei Ärzten und Pflege.

Die Ausgangslage

Wie sieht der Medikationsalltag in der Pflege aus – in Zahlen?

Vier Befunde beschreiben die Lage nüchtern. Sie zeigen, dass Medikation in der Pflege komplex und fehleranfällig ist. Sie zeigen nicht, dass eine bestimmte Lösung diese Probleme behebt.

der 2023 vom Medizinischen Dienst geprüften Pflegeheimbewohner hatten Defizite im Qualitätsaspekt „Medikamentöse Therapie“ (11,6 % mit Risiko, 7,6 % mit eingetretenen negativen Folgen)
19,2 %8. Pflege-Qualitätsbericht MD Bund, 2025 – Summe eigene Addition
der AOK-versicherten Pflegeheimbewohner ab 60 Jahren erhielten gleichzeitig neun oder mehr Wirkstoffe
32,7 %WIdO, Pflege-Report 2023
Menschen lebten Ende 2023 in Hamburg in vollstationärer Dauerpflege (Tabellenwert 14.135), versorgt von 206 Pflegeheimen – dazu 396 ambulante Dienste
rund 14.100Statistikamt Nord, Pflegestatistik Hamburg 2023
Pflegekräfte werden in Deutschland bis 2049 voraussichtlich fehlen, je nach Rechenvariante
280.000–690.000Destatis, Pressemitteilung 24.01.2024

Die Zahlen des Medizinischen Dienstes erfassen den gesamten Umgang mit Medikamenten – Dokumentation, Lagerung, Dosierung, Information an Ärzte –, nicht speziell das Stellen. Als Beispiele nennt der Bericht unter anderem nicht vermerkte Anbruchsdaten und Dosierungen, die nicht der ärztlichen Verordnung entsprachen. Die WIdO-Werte beruhen auf Abrechnungsdaten der AOK und enthalten keine Selbstmedikation. Mehr zu den Studien und ihrer Aussagekraft steht in den Fakten zur Verblisterung bei antares und auf der Seite Polypharmazie.

Fehler im Medikationsprozess entstehen in aller Regel aus Bedingungen – Unterbrechungen, Schnittstellen, unvollständige Informationen, Zeitdruck –, nicht aus Nachlässigkeit. Deshalb beschreiben wir im Folgenden nicht Fehler, sondern Situationen.

Zwölf Situationen

Welche Situationen prägen den Medikationsalltag – und was folgt daraus?

Die Szenen sind typische, beispielhaft beschriebene Situationen – keine Einzelfälle aus bestimmten Einrichtungen. Zu jeder sagen wir, was dahintersteckt, was die antares Apotheke daraus macht und was bewusst bei Ihnen bleibt.

Situation 1 · Pflegeheim · Freitag, 15:30 Uhr

Rückkehr aus dem Krankenhaus mit neuem Plan

Ein Bewohner kommt nach einer Woche Klinik zurück. Im Entlassbrief sind zwei Arzneimittel abgesetzt, eines neu, eines anders dosiert. Die Hausarztpraxis schließt gleich, im Medikamentenschrank liegen noch die Blister mit dem alten Plan.

Was dahintersteckt

Der Übergang aus der Klinik ist eine der fehleranfälligsten Schnittstellen. In einer US-Studie wiesen 71,4 % der Aufnahmen aus dem Krankenhaus in eine Nachsorgeeinrichtung mindestens eine Medikationsabweichung auf; meist widersprachen sich Entlassbrief und Überleitungsbogen (Tjia et al. 2009, US-System, nicht direkt übertragbar). Am Freitag kommt hinzu, dass Rückfragen bis Montag warten.

Was antares daraus macht

Klinikentlassungen folgen bei antares einem vereinbarten Weg: Die neue Medikation wird pharmazeutisch geprüft und mit dem bisherigen Plan abgeglichen, Abweichungen klären wir mit der verordnenden Praxis. Bereits gelieferte Beutel muss die Pflege nicht umsortieren; überbrückt wird nach Absprache mit Originalpackungen bis zum neuen Blister. Erreichbarkeit am Wochenende regelt der Versorgungsvertrag. Wie Änderungen nach einer Entlassung ablaufen

Was bei Ihnen bleibt

Die ärztliche Bestätigung der neuen Medikation, die Entscheidung, welche Beutel bis dahin nicht verwendet werden, und die Gabe. Was am Freitag konkret zu tun ist, beschreibt die Seite Krankenhausentlassung ins Pflegeheim.

Situation 2 · Pflegeheim · Dienstag vor Monatsende

Ein Rezept fehlt, die Packung reicht noch vier Tage

Bei der Bestandskontrolle fällt auf: Für ein Blutdruckmittel ist kein Folgerezept angefordert. Die Bewohnerin hat drei verordnende Praxen, die Wohnbereichsleitung ist im Urlaub, und niemand weiß genau, wer das sonst übernimmt.

Was dahintersteckt

Packungen mit unterschiedlicher Reichweite, mehrere Praxen und eine Zuständigkeit, die an einer Person hängt. Fehlende Rezepte sind selten ein Wissens-, sondern ein Organisationsproblem: Die Reichweite muss jemand im Blick haben, bevor sie knapp wird.

Was antares daraus macht

Im Blisterbetrieb kennt die Apotheke den Medikationsplan und damit die Reichweiten. Rezeptanforderungen bei den Praxen übernehmen wir im vereinbarten Rahmen. Seit Juli 2026 dürfen Praxen Verordnungen bei bestehendem Heimversorgungsvertrag nach Absprache direkt an die heimversorgende Apotheke übermitteln (§ 12a Abs. 4 ApoG, befristet bis Ende 2028). Rezeptmanagement und Neuregelung 2026

Was bei Ihnen bleibt

Ob verordnet wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Bewohner, die sich selbst oder über Angehörige versorgen, bleiben frei in ihrer Apothekenwahl – diesen Weg muss die Einrichtung weiterhin selbst organisieren.

Situation 3 · Pflegeheim · Sonntag, 14:00 Uhr

Wochenstellen im Dienstzimmer – mit Unterbrechungen

Eine Pflegefachkraft stellt für 28 Bewohner die Dosetten der kommenden Woche. Das Telefon klingelt, eine Angehörige steht in der Tür, ein Ruf aus Zimmer 12. Nach jeder Unterbrechung muss sie neu suchen, wo sie war.

Was dahintersteckt

Unterbrechungen sind im Medikationsprozess die Regel. In einer kanadischen Langzeitpflegeeinrichtung wurden 79 % der Medikationsrunden unterbrochen (Thomson et al. 2009). Studien aus dem Krankenhaus zeigen, dass jede Unterbrechung während der Gabe mit einem um 12,7 % höheren Risiko eines klinischen Fehlers verbunden war (Westbrook et al. 2010, Sydney). Beide Studien betrachten die Gabe, nicht das Stellen.

Was antares daraus macht

Feste, verblisterbare Arzneimittel stellt antares im separaten Verblisterungsraum zusammen: Originalpackung scannen, in nummerierte Fächer eines Kassettenträgers entblistern, maschinell verpacken, jeden Beutel kamerabasiert kontrollieren, Auffälligkeiten von Hand prüfen. Rundgang durch den Verblisterungsraum · Fehlerquellen beider Verfahren

Was bei Ihnen bleibt

Tropfen, Säfte, Inhalativa und andere nicht verblisterbare Arzneimittel, die Kontrolle des Beutels vor der Gabe und die Gaberunde selbst. Dass Verblisterung Unterbrechungen bei der Gabe verringert, ist nicht belegt.

Situation 4 · Ambulant betreute Wohngemeinschaft · Mittwoch, 7:45 Uhr

Die Tablette sieht plötzlich anders aus

Im Beutel liegt statt der gewohnten gelben eine weiße, kleinere Tablette. Eine Mitbewohnerin fragt, ob das ein Versehen ist. Die Pflegekraft muss vor der Gabe entscheiden, ob alles stimmt.

Was dahintersteckt

Lieferengpässe und Rabattverträge führen zu Präparatewechseln. Ist ein Arzneimittel nicht verfügbar, darf die Apotheke unter den Voraussetzungen des § 129 Abs. 2a SGB V gegen ein wirkstoffgleiches austauschen und unter anderem bei Packungsgröße oder Wirkstärke abweichen. Dann ändern sich Aussehen, mitunter auch die Zahl der Tabletten.

Was antares daraus macht

Jeder Beutel trägt Wirkstoff, Stärke und Charge; die Packungsbeilagen der Fertigarzneimittel liegen bei, wie es § 34 ApBetrO verlangt. So lässt sich vor der Gabe nachvollziehen, was im Beutel ist. Wie wir über einen Präparatewechsel informieren, legen wir mit Ihnen fest. Lieferengpässe und Blister

Was bei Ihnen bleibt

Den Beutel mit dem aktuellen Medikationsplan abgleichen, Bewohner informieren und den Plan aktualisieren lassen. Ändert sich die Wirkstärke, gilt der aktuelle Plan – Tabletten werden nicht eigenmächtig geteilt.

Situation 5 · Pflegeheim · Spätdienst, 17:00 Uhr

Eine neue Kraft aus der Zeitarbeit kennt die Präparate nicht

Der Wohnbereich ist heute mit einer Leasingkraft besetzt, die das Haus zum zweiten Mal sieht. Sie kennt weder die Bewohner noch die Packungen im Schrank. Die Stammkraft ist für zwei Bereiche zuständig.

Was dahintersteckt

Pflege- und Gesundheitsberufe gehören laut Bundesagentur für Arbeit auch 2025 zu den Engpassberufen. In einer kanadischen Zeitstudie brauchten Leasing- und Aushilfskräfte für eine Medikationsrunde bei 20 Bewohnern im Median 90 statt 68 Minuten (Thomson et al. 2009, Einzeleinrichtung). Ortsfremde Kräfte sind auf eindeutige Zuordnung angewiesen.

Was antares daraus macht

Der Beutel nennt die Person, das Datum, die Einnahmezeit und den Inhalt – die Zuordnung hängt nicht davon ab, eine Packung im Schrank zu erkennen. Schulungen für Pflegekräfte zu Arzneimitteltherapiesicherheit, Anwendung und Dokumentation bieten wir nach Vereinbarung an. Schulungen für Pflegekräfte

Was bei Ihnen bleibt

Einarbeitung, die Frage, wer zur Gabe befugt ist, und die Identitätskontrolle am Bett. Ein gut beschrifteter Beutel ersetzt nicht, den Menschen zu kennen.

Situation 6 · Ambulanter Pflegedienst · Montag, 11:10 Uhr

Der Hausarzt ändert die Dosis am Telefon

Mitten in der Tour ruft die Hausarztpraxis an: Das Diuretikum eines Klienten soll ab sofort halbiert werden. Die Pflegekraft steht im Hausflur, die Wochenbeutel liegen beim Klienten in der Küche.

Was dahintersteckt

Mündliche Anordnungen erreichen meist nur eine Person. Damit sie in Plan, Blister und Dokumentation ankommen, braucht es einen festen Weg. Dass gerade hier Risiken liegen, zeigt eine Auswertung niederländischer Meldedaten: Häufigste Ursache von Zwischenfällen mit Blistern waren Medikationsänderungen und Umzüge (Cheung et al. 2014).

Was antares daraus macht

In den Plan und damit in den nächsten Blister geht eine Änderung erst, wenn die Verordnung der Apotheke vorliegt und pharmazeutisch geprüft ist. Was mit bereits gelieferten Beuteln geschieht und bis wann eine Änderung für den nächsten Zyklus vorliegen muss, legen wir vorab fest. Dosisänderungen im Blisterbetrieb · Verblisterung für ambulante Dienste

Was bei Ihnen bleibt

Die ärztliche Anordnung dokumentieren, die schriftliche Bestätigung einholen und die Änderung bis zum neuen Blister umsetzen – in Absprache mit Praxis und Apotheke.

Situation 7 · Pflegeheim · Nachtdienst, 2:00 Uhr

Schmerzen in der Nacht: Bedarfsmedikation und Betäubungsmittel

Eine Bewohnerin hat starke Schmerzen. Laut Plan gibt es ein Bedarfsmedikament und ein Betäubungsmittel mit Höchstdosis. Eine Pflegefachkraft ist allein für das Haus zuständig und muss einschätzen, dosieren und dokumentieren.

Was dahintersteckt

Bedarfsmedikation ist verbreitet: In 21 Pflegeheimen in Bremen und Niedersachsen hatten 74,9 % der Bewohner mindestens eine, im Mittel 2,5 Bedarfsverordnungen (Dörks et al. 2016). Bedarfsgaben verlangen eine Einschätzung im Moment – das lässt sich nicht vorab verpacken.

Was antares daraus macht

Bedarfsmedikation und Betäubungsmittel kommen nicht in den Blister, sondern in der Originalpackung – aus derselben Apotheke. Zur Anwendung von Betäubungsmitteln schulen wir Pflegekräfte nach Vereinbarung. Die Erreichbarkeit außerhalb der Geschäftszeiten regelt der Versorgungsvertrag. Bedarfsmedikation im Pflegeheim · Betäubungsmittel im Pflegeheim

Was bei Ihnen bleibt

Die Einschätzung, die Gabe innerhalb der ärztlich festgelegten Grenzen, die Betäubungsmitteldokumentation und die sichere Aufbewahrung.

Situation 8 · Pflegeheim · Mittag, 12:15 Uhr

Die Tablette ist zu groß – teilen oder mörsern?

Ein Bewohner mit Schluckstörung kann die große Tablette aus dem Beutel nicht schlucken. Die Pflegekraft überlegt, sie zu mörsern und in Joghurt zu geben. Ob das bei diesem Präparat geht, steht nirgends auf dem Beutel.

Was dahintersteckt

In einer Videostudie in vier australischen Pflegeeinrichtungen wurde jede vierte Arzneiform vor der Gabe verändert (25,7 %); 12,5 % dieser Veränderungen waren nicht sachgerecht (Sefidani Forough et al. 2020). In niederländischen Heimen mit maschineller Verblisterung waren gemörserte Arzneimittel besonders häufig von Fehlern betroffen (van den Bemt et al. 2009). Der Blister beseitigt dieses Risiko nicht.

Was antares daraus macht

Zum Medikationsmanagement gehört die Empfehlung geeigneter Darreichungsformen bei Schluckstörungen, bei Bedarf auch eine individuelle Rezeptur. Tabletten werden für den Blister nur in den Ausnahmefällen geteilt, die das Qualitätsmanagement nach § 34 ApBetrO auf ärztliche Anforderung zulässt. Schluckstörungen und Tabletten · Darreichungsformen im Blister

Was bei Ihnen bleibt

Die Schluckstörung erkennen und melden, die ärztliche Entscheidung über eine andere Darreichungsform herbeiführen und beobachten, ob die Einnahme gelingt.

Situation 9 · Ambulante Versorgung zu Hause · Samstag, 10:00 Uhr

Die Tochter fragt, warum die Tabletten anders aussehen

Bei ihrem Besuch sieht die Tochter einer Klientin die Wochenbeutel durch und ruft beim Pflegedienst an: Zwei Tabletten seien neu, eine fehle. Sie ist besorgt und möchte wissen, wer das entschieden hat.

Was dahintersteckt

Angehörige sehen die Medikation in Momentaufnahmen. Präparatewechsel, ärztliche Änderungen und abgesetzte Arzneimittel sind für sie ohne Erklärung nicht zu unterscheiden. Hinter der Frage steht meist kein Misstrauen, sondern fehlende Information.

Was antares daraus macht

Der Beutel macht den Inhalt lesbar: Wirkstoff, Stärke und Einnahmezeit stehen darauf. Für Rückfragen des Pflegedienstes zu einem Beutel ist das Team erreichbar, das ihn hergestellt hat. Familien, die selbst Verblisterung nutzen möchten, beraten wir direkt. Was Familien von Verblisterung haben

Was bei Ihnen bleibt

Das Gespräch mit der Familie und die Frage, wer überhaupt Auskunft erhalten darf – Schweigepflicht und Vollmachten gelten auch hier. Warum eine Änderung ärztlich erfolgte, beantwortet die Praxis.

Situation 10 · Leitung und Qualitätsmanagement · zwei Wochen vor der Prüfung

Aufsicht oder Medizinischer Dienst haben sich angekündigt

Die Qualitätsbeauftragte geht die Medikamentenschränke aller Wohnbereiche durch: Anbruchsdaten, Verfall, Übereinstimmung von Plan und Dokumentation. Sie weiß, dass Prüfer nicht nach dem Blister fragen, sondern nach dem gesamten Umgang mit Arzneimitteln.

Was dahintersteckt

Bei den Prüfungen des Medizinischen Dienstes 2023 hatten 11,6 % der Bewohner ein Defizit mit Risiko negativer Folgen und 7,6 % ein Defizit mit eingetretenen negativen Folgen im Qualitätsaspekt „Medikamentöse Therapie“ (8. Pflege-Qualitätsbericht). Geprüft wird die Einrichtung – über alle Arzneimittel, nicht nur die verblisterten.

Was antares daraus macht

Blister sind mit Name, Inhalt, Charge, Verfall und Einnahmehinweisen gekennzeichnet; Herstellung und Kontrolle sind in der Apotheke protokolliert. Zum Heimversorgungsvertrag gehört die regelmäßige Überprüfung der bewohnerbezogenen Aufbewahrung im Heim durch die Apotheke (§ 12a ApoG). Vorbereitung auf die MD-Prüfung · Für Qualitätsbeauftragte

Was bei Ihnen bleibt

Die Gabedokumentation, Anbruchsdaten bei Tropfen und Säften, die Lagerung nicht verblisterter Arzneimittel und die Umsetzung der Hinweise aus der Überprüfung.

Situation 11 · Klinik · Station, 10:30 Uhr

Nach der Visite ändert sich die Verordnung

Nach der Oberarztvisite werden auf einer Station bei vier Patienten Arzneimittel umgestellt, bei einem wegen eines neuen Laborwerts. Die Medikation für den Folgetag soll trotzdem vollständig und geprüft auf Station ankommen.

Was dahintersteckt

Im Krankenhaus ändern sich Verordnungen täglich. Ein Versorgungssystem muss Änderungen schnell aufnehmen und jede Dosis eindeutig zuordnen. Unit-Dose hat sich in deutschen Kliniken dennoch kaum durchgesetzt – nach einer Vortragsangabe von 2022 wurden etwa 4 % der Patienten so versorgt; die Hürde sind vor allem Prozesskosten und Refinanzierung, weniger die Technik.

Was antares daraus macht

Für die LungenClinic Großhansdorf verordnen Ärzte elektronisch auf Station; Apothekerinnen und Apotheker in Hamburg-Jenfeld prüfen Wechselwirkungen, Plausibilität, Allergien und Laborwerte, bevor patientenindividuell verblistert wird. Die Pflege kontrolliert die Lieferung für den nächsten Tag, Rückfragen werden dokumentiert. Zum Praxisbeispiel · Unit-Dose für Kliniken

Was bei Ihnen bleibt

Die ärztliche Verordnung, Infusionen und flüssige Arzneimittel, die Gabe und ihre elektronische Erfassung. Für das Klinikprojekt sind keine Ergebniskennzahlen veröffentlicht. Klinikversorgung anfragen

Situation 12 · Einrichtungsleitung · Dienstplanbesprechung

Personal fehlt, und das Stellen bindet Fachkräfte

Für den nächsten Monat fehlen zwei Fachkräfte. Die Pflegedienstleitung rechnet vor, wie viele Stunden pro Woche für Stellen und Kontrolle gebraucht werden – Stunden, die nur Fachkräfte leisten können. Die Leitung fragt, ob Verblisterung das Problem löst.

Was dahintersteckt

Nach Destatis fehlen bis 2049 voraussichtlich 280.000 bis 690.000 Pflegekräfte. Eine belastbare deutsche Zeitmessung zum Stellen gibt es nicht. Das IQWiG hat eine Zeitersparnis von 22 bis 51 Minuten pro Bewohner und Monat modelliert – auf Basis von Annahmen, die es selbst als sehr unsicher bezeichnet.

Was antares daraus macht

Wir versprechen keine Minuten. Mit dem Aufwandsrechner machen Sie Ihren heutigen Aufwand sichtbar; in einer Prozessanalyse prüfen wir, welcher Anteil sich in die Apotheke verlagern lässt – und welche neuen Abstimmungsaufgaben entstehen. Personalmangel und Medikamente · Für Einrichtungsleitungen

Was bei Ihnen bleibt

Die Entscheidung, wie frei werdende Zeit genutzt wird, die Kosten der Verblisterung, die mit der Apotheke vereinbart werden, und die Gabe, die weiter Fachkräfte bindet. Verblisterung löst den Personalmangel nicht.

Was daraus folgt

Welche Arbeitsprinzipien leitet antares aus diesen Situationen ab?

Sechs Prinzipien ziehen sich durch alle zwölf Situationen. Jedes beschreibt, was wir tun – und wo es endet.

Erst prüfen, dann verpacken

Bevor ein Auftrag in die Herstellung geht, prüfen Apothekerinnen und Apotheker die Medikation auf Plausibilität, Wechselwirkungen, Doppelverordnungen und Eignung zur Verblisterung. Auffälligkeiten klären wir mit der verordnenden Praxis.

Grenze: Die Therapieentscheidung bleibt ärztlich. Die Prüftiefe wird vereinbart.

Jede Änderung hat einen festen Weg

Wer meldet was bis wann, wie wird überbrückt, was geschieht mit gelieferten Beuteln: Das legen wir vor dem Start fest, damit Änderungen nicht von einzelnen Personen abhängen.

Grenze: Reaktionszeiten vereinbart der Versorgungsvertrag; pauschal sagen wir sie nicht zu.

Jeder Beutel erklärt sich selbst

Name, Einnahmezeit, Wirkstoff, Stärke und Charge stehen auf dem Beutel; ein Kamerasystem gleicht jeden Beutel mit dem Auftrag ab, Fachpersonal prüft Auffälligkeiten.

Grenze: Die Kamera prüft, ob der Beutel dem Auftrag entspricht – nicht, ob der Auftrag fachlich richtig ist.

Was nicht in den Blister gehört, bleibt draußen

Tropfen, Inhalativa, Kühlware, Bedarfsmedikation und Betäubungsmittel werden nicht in den Blister gezwungen. Sie kommen in der Originalpackung, nach Vereinbarung aus derselben Apotheke.

Grenze: Für diese Arzneimittel bleibt der Aufwand in der Einrichtung bestehen.

Verantwortung bleibt, wo sie hingehört

Ärzte verordnen, die Apotheke prüft, verblistert und kontrolliert, die Pflege kontrolliert vor der Gabe, verabreicht, beobachtet und dokumentiert. Diese Aufteilung halten wir in der Versorgungsvereinbarung fest.

Grenze: Verblisterung ersetzt keine pflegerische Kontrolle und keine ärztliche Überwachung.

Nur behaupten, was belegt ist

Wir beschreiben Prozesse, nicht Wirkungen. Wo die Studienlage offen ist, sagen wir das – und helfen Ihnen, den Nutzen in Ihrer Einrichtung selbst zu messen.

Grenze: Ob sich Verblisterung für Sie lohnt, zeigt erst Ihr eigener Ausgangswert.

Alle zehn Merkmale der antares Verblisterung mit Nachweis

Woher das Verständnis kommt

Worauf stützen sich diese Situationen?

Die zwölf Situationen beruhen auf drei Quellen: den rechtlichen Anforderungen an Heimversorgung und Verblisterung (§ 12a Apothekengesetz, § 34 Apothekenbetriebsordnung), veröffentlichten Studien und Prüfberichten zum Medikationsprozess in Pflegeheimen und Kliniken sowie der Arbeit der antares Apotheke in der Versorgung von Kliniken und Gesundheitseinrichtungen.

Die Szenen sind verdichtet und beispielhaft. Sie beschreiben keine bestimmten Einrichtungen oder Personen. Wenn Ihr Alltag anders aussieht, ist das für uns die interessantere Information – sie entscheidet, welches Versorgungsmodell zu Ihnen passt.

Ein ganzer Tag im Wohnbereich, mit und ohne Verblisterung · Selbsttest: Warnsignale im Medikationsprozess

Hände in Schutzhandschuhen an einem Kassettenträger mit nummerierten Fächern im Verblisterungsraum der antares Apotheke in Hamburg-Jenfeld
Befüllen eines Kassettenträgers im Verblisterungsraum der antares Apotheke. Foto: antares-apotheke Pharma Service e. K., Dezember 2025.
Ehrliche Einordnung

Was behauptet antares bewusst nicht?

Was wir nicht behaupten

Keine Fehlerfreiheit. Auch maschinelle Verblisterung ist nicht fehlerfrei. In den Niederlanden betrafen 6,2 % der von öffentlichen Apotheken gemeldeten Medikationszwischenfälle die Verblisterung, meist zu wenige oder zu viele Tabletten im Beutel (Cheung et al. 2014, freiwillige Meldedaten). In niederländischen Heimen mit Blisterautomaten waren 21,2 % der beobachteten Gaben fehlerhaft – vor allem beim Mörsern und bei der Einnahmekontrolle, also nach dem Öffnen des Beutels (van den Bemt et al. 2009).

Keine Zeitgarantien. Wie viel Zeit eine Einrichtung gewinnt, hängt davon ab, wie viel heute gestellt wird und wie viel nicht verblisterbar ist. Eine belastbare deutsche Messung gibt es nicht; die IQWiG-Schätzung ist eine Modellrechnung.

Kein belegter Gesundheitsnutzen. Das IQWiG fand 2019 für Pflegeheime keine aussagekräftigen Studien zur patientenindividuellen Verblisterung; ein Nutzen oder Schaden für Bewohner ist damit weder belegt noch widerlegt (Rapid Report A18-35). Belastbarer ist ein britischer Beobachtungsbefund: Tabletten aus Originalpackungen waren etwa doppelt so häufig von Gabefehlern betroffen wie Tabletten aus apothekenseitig vorbereiteten Dosiersystemen (Alldred et al. 2011) – ein Hinweis, kein Wirksamkeitsnachweis.

Keine Verblisterung ohne Prüfung. Registerdaten aus Schweden zeigen, dass Multi-Dose-Versorgung mit häufiger potenziell inadäquater Medikation verbunden sein kann (Johnell und Fastbom 2008). Deshalb gehört für uns die pharmazeutische Prüfung vor die Herstellung – nicht als Zusatz, sondern als Voraussetzung.

Einwände gegen Verblisterung – ehrlich beantwortet

Ihre Situation

Welche dieser Situationen kennen Sie – und welche fehlt?

Erzählen Sie uns, wo es bei Ihnen hakt. Im Erstgespräch geht es um Abläufe, nicht um Gesundheitsdaten einzelner Bewohner – und auch darum, ob Verblisterung für Sie überhaupt der richtige Weg ist.

Porträt Sinah Gaebert
Ihre Ansprechpartnerin
Sinah Gaebert
Leitung Patientenindividuelle Verblisterung · Fachapothekerin für klinische Pharmazie

Fachliche Ansprechpartnerin für patientenindividuelle Verblisterung, Medikationsprozesse und die Einführung in Einrichtungen.

Quellen und Rechtsgrundlagen
  1. Medizinischer Dienst Bund (Hrsg.): 8. Pflege-Qualitätsbericht des Medizinischen Dienstes Bund nach § 114a Abs. 6 SGB XI. Essen, Februar 2025. Datenjahr 2023, vollstationäre Pflege, 72.097 einbezogene Bewohner; Qualitätsaspekt 2.1 „Medikamentöse Therapie“. Die Summe 19,2 % ist eigene Addition der Bewertungen C und D.
  2. Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO): Pressemitteilung zum Pflege-Report 2023 „Versorgungsqualität von Langzeitgepflegten“; Schwinger A et al. (Hrsg.): Pflege-Report 2023. Springer, Berlin 2023. AOK-Versicherte ab 60 Jahren im Pflegeheim, Routinedaten; Datenjahr laut Pressematerial 2021.
  3. Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein: Pflegestatistik Hamburg 2023. Statistischer Bericht K II 8 – 2j 23 HH, 25.04.2025.
  4. Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. 033 vom 24.01.2024 (Pflegekräftevorausberechnung; Trend- und Status-quo-Variante).
  5. Bundesagentur für Arbeit: Presseinfo Nr. 32 vom 02.09.2026 „Fachkräfte bleiben knapp: Zuwanderung gewinnt weiter an Bedeutung“ (Engpassanalyse 2025).
  6. Tjia J et al.: Medication discrepancies upon hospital to skilled nursing facility transitions. J Gen Intern Med 2009;24(5):630–635. USA, Querschnittsstudie, 199 Aufnahmen.
  7. Thomson MS et al.: Nursing time devoted to medication administration in long-term care. J Am Geriatr Soc 2009;57(2):266–272. Eine Einrichtung in Toronto, 141 beobachtete Medikationsrunden.
  8. Westbrook JI et al.: Association of interruptions with an increased risk and severity of medication administration errors. Arch Intern Med 2010;170(8):683–690. Zwei Lehrkrankenhäuser in Sydney – Krankenhaus, nicht Pflegeheim.
  9. Dörks M, Schmiemann G, Hoffmann F: Pro re nata (as needed) medication in nursing homes. Eur J Clin Pharmacol 2016;72:995–1001. 21 Pflegeheime in Bremen und Niedersachsen, 852 Bewohner.
  10. Sefidani Forough A et al.: Appropriateness of oral dosage form modification for aged care residents: a video-recorded observational study. Int J Clin Pharm 2020;42(3):938–947. Vier Einrichtungen in Queensland, Australien.
  11. van den Bemt PMLA et al.: Medication administration errors in nursing homes using an automated medication dispensing system. J Am Med Inform Assoc 2009;16(4):486–492. Drei niederländische Pflegeheime, keine Kontrollgruppe.
  12. Cheung KC et al.: Medication incidents related to automated dose dispensing in community pharmacies and hospitals – a reporting system study. PLoS ONE 2014;9(7):e101686. Niederländisches Meldesystem, freiwillige Meldungen.
  13. Alldred DP et al.: The influence of formulation and medicine delivery system on medication administration errors in care homes for older people. BMJ Qual Saf 2011;20(5):397–401. Britische Pflegeheime, Beobachtungsstudie.
  14. Johnell K, Fastbom J: Multi-dose drug dispensing and inappropriate drug use: a nationwide register-based study of over 700 000 elderly. Scand J Prim Health Care 2008;26(2):86–91. Schweden, Querschnitt.
  15. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Patientenindividuelle Verblisterung. Rapid Report A18-35, 2019; Pressemitteilung vom 14.05.2019 (Modellschätzung Zeitersparnis).
  16. § 12a Apothekengesetz (Heimversorgung) in der Fassung nach dem ApoVWG 2026; § 34 Apothekenbetriebsordnung (Patientenindividuelles Stellen oder Verblistern); § 129 Abs. 2a SGB V (Austausch bei Nichtverfügbarkeit).

Wie viel einfacher könnte die Arzneimittelversorgung in Ihrer Einrichtung werden?

Wir analysieren gemeinsam Ihre aktuelle Versorgung und zeigen, ob und wie patientenindividuelle Verblisterung Ihre Abläufe unterstützen kann.

Zertifizierte Qualität und sichere Prozesse

Unsere GDP- und ISO-Zertifizierungen stehen für geprüfte Qualität, verlässliche Abläufe und eine sichere Arzneimittelversorgung. Sie bestätigen unter anderem die fachgerechte Lagerung, Prüfung, Dokumentation und Auslieferung von Arzneimitteln sowie ein wirksames Qualitäts- und Logistikmanagement.

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