Die antares Apotheke versorgt die stationären Patienten der LungenClinic Großhansdorf über einen geschlossenen Medikationsmanagementprozess. Ärzte verordnen auf Station elektronisch. Die Verordnung geht an antares in Hamburg-Jenfeld, wo Apothekerinnen und Apotheker sie auf Wechselwirkungen, Plausibilität, Allergien und Laborergebnisse prüfen. Ist keine Rückfrage nötig, werden die Arzneimittel maschinell patientenindividuell verblistert und an die Klinik geliefert.
Auf Station kontrollieren Pflegefachkräfte die Lieferung für den folgenden Tag, ergänzen nicht enthaltene Arzneimittel wie Infusionen und erfassen die Gabe elektronisch. Grundlage dieser Darstellung ist die Pressemitteilung der antares Apotheke vom 6. August 2025.
Ein Medikationsprozess, zwei Organisationen, klare Rollen
Von der Verordnung bis zur dokumentierten Gabe ist jeder Schritt einer Rolle zugeordnet. Die Apotheke übernimmt Prüfung und Verblisterung, Ärzte und Pflege der Klinik behalten Therapieentscheidung, Kontrolle und Gabe.
- Elektronische VerordnungBehandelnde Ärzte verordnen auf Station elektronisch; die Verordnung wird an antares weitergeleitetKlinik: Arzt
- Pharmazeutische PrüfungWechselwirkungen, Plausibilität, Allergien und Laborergebnisse; bei Bedarf RückfrageApotheke
- VerblisterungMaschinell und patientenindividuell, mit elektronischen Prüfmechanismen und Vier-Augen-PrinzipApotheke
- Lieferung und KontrollePflegefachkräfte kontrollieren die Lieferung für den gesamten nächsten TagKlinik: Pflege
- ErgänzungFlüssige Arzneimittel wie Infusionen sind nicht im Blister und werden in der Klinik ergänztKlinik: Pflege
- Gabe und DokumentationVerabreichung am Patienten, elektronische Erfassung der GabeKlinik: Pflege
Inhalt dieser Seite
- Ausgangssituation: Arzneimittelversorgung durch eine externe Apotheke
- Beteiligte Organisationen
- Ziele des Projekts
- Der Ablauf im Detail
- Kontrollmechanismen und Dokumentation
- Organisatorische Zusammenarbeit und fachliche Verantwortung
- Nachhaltigkeit: größere Packungen, weniger Material
- Was andere Kliniken daraus ableiten können
- Was dieses Praxisbeispiel nicht zeigt
Ausgangssituation: Arzneimittelversorgung durch eine externe Apotheke
Viele Krankenhäuser in Deutschland haben keine eigene Krankenhausapotheke, sondern werden von einer öffentlichen Apotheke auf Grundlage eines Versorgungsvertrags nach § 14 Apothekengesetz versorgt. Die LungenClinic Großhansdorf wird von der antares Apotheke als externer Apotheke versorgt. In einer solchen Konstellation liegt die Apotheke räumlich außerhalb der Klinik – und ist dennoch Teil ihres Medikationsprozesses.
Das Projekt mit der LungenClinic geht einen Schritt weiter als die klassische Belieferung mit Packungen: Die Apotheke ist in einen geschlossenen Medikationsmanagementprozess eingebunden, der von der elektronischen Verordnung bis zur elektronisch dokumentierten Gabe reicht. Fachlich spricht man von einem Closed-Loop-Prozess.
Beteiligte Organisationen
- LungenClinic Großhansdorf: Fachklinik, deren stationäre Patienten über den beschriebenen Prozess versorgt werden. Ärzte verordnen, Pflegefachkräfte kontrollieren, ergänzen, verabreichen und dokumentieren.
- antares Apotheke, Hamburg-Jenfeld: Ein Team aus Pharmazeuten und pharmazeutischem Personal verbindet die maschinelle Verblisterung mit der Prüfung der Medikation. Die Leitung der patientenindividuellen Verblisterung hat Sinah Gaebert, Fachapothekerin für klinische Pharmazie.
- Interdisziplinäres Projektteam: Laut Pressemitteilung wurde der Prozess in einem interdisziplinären Projektteam entwickelt und wird fortlaufend optimiert.
Ziele des Projekts
Die Klinik verbindet mit dem neuen Medikationsprozess nach eigenen Angaben drei Ziele: die Sicherheit der Arzneimittelgabe zu erhöhen, das Pflegepersonal zu entlasten und nachhaltiger zu arbeiten. Die kaufmännische Geschäftsführung der LungenClinic hat diese Ziele in der Pressemitteilung zum Medikationsmanagementprozess erläutert.
Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um Ziele. Messergebnisse zu Fehlerraten, Zeitaufwand oder Materialeinsparung liegen dieser Darstellung nicht zugrunde und werden hier nicht behauptet.
Der Ablauf im Detail
Elektronische Verordnung auf Station
Die behandelnden Ärzte verordnen die Medikation auf Station elektronisch. Die Verordnung wird an die antares Apotheke in Hamburg-Jenfeld weitergeleitet. Damit entfällt die Übertragung von Hand zwischen Kurve und Apotheke – eine klassische Fehlerquelle an Schnittstellen.
Pharmazeutische Prüfung
Bevor ein Arzneimittel verblistert wird, prüfen Apothekerinnen und Apotheker die Verordnung auf Wechselwirkungen, Plausibilität, Allergien und Laborergebnisse. Ergibt sich eine Rückfrage, klärt die Apotheke sie mit der Klinik. Erst wenn keine Rückfrage offen ist, geht die Verordnung in die Verblisterung. Die Therapieentscheidung bleibt bei den behandelnden Ärzten.
Patientenindividuelle Verblisterung
Die Arzneimittel werden maschinell patientenindividuell verblistert. Jeder durchsichtige Blister trägt Patientenname, Patientennummer, Arzneimittelbezeichnung und Einnahmezeitpunkt. Elektronische Prüfmechanismen, das Vier-Augen-Prinzip und zahlreiche Scan-Prozesse sichern die Herstellung ab.
Übergabe in die klinischen Prozesse
Die Blister werden an die Klinik geliefert. Pflegefachkräfte kontrollieren die Lieferung für den gesamten nächsten Tag. Flüssige Arzneimittel, etwa Infusionen, sind nicht im Blister enthalten und werden in der Klinik ergänzt. Die Verabreichung wird elektronisch erfasst. Für Nachfragen und in Notfällen sind Apothekerinnen und Apotheker der antares Apotheke erreichbar.
Kontrollmechanismen und Dokumentation
Der Prozess setzt auf mehrere, voneinander unabhängige Kontrollpunkte – in der Apotheke und auf Station. Keiner davon ersetzt einen anderen.
| Kontrollpunkt | Wo | Was geprüft wird |
|---|---|---|
| Pharmazeutische Prüfung | Apotheke | Wechselwirkungen, Plausibilität, Allergien, Laborergebnisse |
| Elektronische Prüfmechanismen und Scans | Apotheke | Absicherung der maschinellen Verblisterung |
| Vier-Augen-Prinzip | Apotheke | Zweitkontrolle vor der Freigabe |
| Kontrolle der Lieferung | Station | Lieferung für den gesamten nächsten Tag durch Pflegefachkräfte |
| Elektronische Erfassung der Gabe | Station | Dokumentation jeder Verabreichung |
Der fachliche Austausch zwischen Klinik und Apotheke wird schriftlich dokumentiert und bei Bedarf telefonisch ergänzt. Damit bleibt nachvollziehbar, welche Rückfrage wann gestellt und wie sie beantwortet wurde.
Organisatorische Zusammenarbeit und fachliche Verantwortung
Ein geschlossener Medikationsprozess über zwei Organisationen funktioniert nur, wenn Zuständigkeiten eindeutig sind. Im Projekt mit der LungenClinic liegen sie dort, wo sie fachlich hingehören:
- Ärzte der Klinik treffen die Therapieentscheidung und verordnen elektronisch.
- Apothekerinnen und Apotheker der antares Apotheke prüfen die Verordnung, verantworten die Verblisterung und sind für Rückfragen erreichbar.
- Pflegefachkräfte der Klinik kontrollieren die Lieferung, ergänzen nicht verblisterte Arzneimittel, verabreichen und dokumentieren die Gabe.
Organisatorisch wird der Prozess von einem interdisziplinären Projektteam getragen und fortlaufend weiterentwickelt. Diese Weiterentwicklung ist Teil des Konzepts: Ein Closed-Loop-Prozess ist kein Zustand, der einmal eingerichtet wird, sondern ein Ablauf, der im Betrieb nachgeschärft wird.
„Das neue Verfahren bringt uns nicht nur technisch auf den neuesten Stand, sondern ermöglicht es uns als externe Apotheke, durch geprüfte Abläufe und enge Zusammenarbeit mit der Klinik die Arzneimitteltherapiesicherheit spürbar zu verbessern.“
Sinah Gaebert, Leitung Patientenindividuelle Verblisterung, antares Apotheke – Pressemitteilung vom 6. August 2025
Nachhaltigkeit: größere Packungen, weniger Material
Ein Aspekt, der in Diskussionen über Verblisterung oft übersehen wird: Weil die Apotheke für die Verblisterung größere Packungseinheiten und sogenannte Schüttware einsetzen kann, lassen sich laut Pressemitteilung Material und Müll einsparen. Wie groß dieser Effekt ist, beziffert die Pressemitteilung nicht. Für Kliniken mit Nachhaltigkeitszielen ist es dennoch ein Argument, das in eine Gesamtbetrachtung gehört.
Was andere Kliniken daraus ableiten können
Die folgenden Punkte sind eine fachliche Einordnung durch antares, keine Ergebnisse des Projekts. Sie sollen Klinikleitungen, Pflegedirektionen und Apotheken helfen, die eigene Ausgangslage zu prüfen.
- Die elektronische Verordnung ist die Grundlage. Ein geschlossener Prozess setzt voraus, dass Verordnungen digital und strukturiert vorliegen. Wo das noch nicht der Fall ist, beginnt das Projekt dort. Digitalisierung in Kliniken
- Prüfung vor Verblisterung. Die Reihenfolge – erst pharmazeutische Prüfung, dann Herstellung – ist entscheidend. Verblisterung ohne vorherige Prüfung wäre nur eine Verpackungsleistung.
- Grenzen bewusst definieren. Infusionen und andere flüssige Arzneimittel bleiben in der Klinik. Das muss im Stationsablauf klar abgebildet sein.
- Kontrollpunkte auf Station erhalten. Die Kontrolle der Lieferung und die Dokumentation der Gabe durch die Pflege bleiben unverzichtbar.
- Kommunikation strukturieren. Schriftliche Dokumentation des Austauschs und erreichbare Apothekerinnen und Apotheker machen die räumliche Distanz handhabbar.
- Interdisziplinär planen. Ärzte, Pflege, IT, Klinikleitung und Apotheke gehören von Beginn an in ein gemeinsames Projektteam.
- Rahmenbedingungen prüfen. Versorgungsvertrag und Genehmigung nach § 14 Apothekengesetz, Datenschutz und mögliche Förderprogramme wie das Krankenhauszukunftsgesetz sind je Haus zu klären.
Ob ein Haus mit Unit-Dose-Einzeldosen oder einem anderen Blisterformat arbeitet, hängt von Stationsstruktur, IT und Änderungshäufigkeit ab. Unit-Dose und Multi-Dose im Vergleich · Unit-Dose für Kliniken · Verblisterung für Kliniken und Krankenhäuser
Fragen zur Vorbereitung eines eigenen Projekts
- Liegen Verordnungen auf allen Stationen bereits elektronisch vor, oder ist die Einführung Teil des Projekts?
- Wie wird die Gabe heute dokumentiert, und lässt sich die Dokumentation elektronisch erfassen?
- Welche Stationen eignen sich für einen Pilotbetrieb, etwa wegen stabiler Abläufe?
- Wie viele Verordnungen werden kurzfristig geändert, und welcher Vorlauf ist für die Verblisterung realistisch?
- Wer übernimmt auf Station die Kontrolle der Lieferung, und zu welcher Zeit?
- Wie wird die Erreichbarkeit der Apotheke für Rückfragen und Notfälle vereinbart?
Was dieses Praxisbeispiel nicht zeigt
Ein Praxisbeispiel beschreibt einen Prozess, es ist keine Studie. Aus der Darstellung lassen sich keine Aussagen ableiten über die Veränderung von Medikationsfehlern, über Zeitersparnis in der Pflege oder über wirtschaftliche Effekte in der LungenClinic. Solche Effekte wären nur mit einer systematischen Vorher-nachher-Messung oder einem kontrollierten Studiendesign belastbar zu belegen. Wer sich für die allgemeine Evidenzlage interessiert, findet sie auf der Seite Kosten und Wirtschaftlichkeit.
- antares-apotheke Pharma Service e. K.: Pressemitteilung „Medikamentenmanagementprozess für nachhaltige Patientensicherheit“, 6. August 2025. Zur Pressemitteilung
- § 14 Apothekengesetz (Versorgung von Krankenhäusern).
- § 34 Apothekenbetriebsordnung (Patientenindividuelles Stellen oder Verblistern).
- Krankenhauszukunftsgesetz (2020), Fördertatbestand digitales Medikationsmanagement.
Fragen zum Praxisbeispiel LungenClinic Großhansdorf
Was bedeutet ein geschlossener Medikationsprozess im Krankenhaus?
In einem geschlossenen Medikationsprozess, auch Closed Loop genannt, sind Verordnung, pharmazeutische Prüfung, Bereitstellung, Gabe und Dokumentation elektronisch miteinander verbunden. Jeder Schritt baut auf den Daten des vorherigen auf, sodass Übertragungen von Hand entfallen. Die fachliche Verantwortung für jeden Schritt bleibt bei der jeweiligen Berufsgruppe.
Welche Arzneimittel sind bei der LungenClinic nicht im Blister enthalten?
Laut Pressemitteilung sind flüssige Arzneimittel wie Infusionen nicht im Blister enthalten. Sie werden in der Klinik ergänzt. Grundsätzlich eignen sich für die Verblisterung vor allem feste, orale Arzneimittel. Mehr zur Eignung
Kann eine externe Apotheke ein Krankenhaus mit verblisterten Arzneimitteln versorgen?
Ja, auf Grundlage eines Versorgungsvertrags zwischen Krankenhausträger und Apotheke, der von der zuständigen Behörde genehmigt werden muss (§ 14 Apothekengesetz). Das Praxisbeispiel zeigt, dass die Verblisterung dabei in einen elektronisch gestützten Prozess der Klinik eingebunden werden kann.
Gibt es Ergebnisse zu Fehlerraten oder Zeitersparnis?
Für dieses Projekt werden keine Ergebniskennzahlen veröffentlicht. Die Darstellung beschreibt den Prozess und die Ziele der Klinik. Aussagen über Wirkungen setzen eine systematische Messung voraus.
Insa Goll, Fachapothekerin für klinische Pharmazie und Abteilungsleitung Klinikversorgung, bespricht mit Ihnen, ob und wie ein vergleichbarer Prozess für Ihr Haus in Frage kommt.
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