Unit-Dose bezeichnet die Versorgung mit einzeln verpackten und einzeln gekennzeichneten Arzneimitteldosen, die einem bestimmten Patienten und Einnahmezeitpunkt zugeordnet sind. Im Krankenhaus ist Unit-Dose meist Teil eines elektronisch gestützten Medikationsprozesses: Ärzte verordnen elektronisch, die Apotheke prüft pharmazeutisch und stellt patientenbezogen her, die Pflege kontrolliert vor der Gabe und dokumentiert die Verabreichung.
Die antares Apotheke in Hamburg-Jenfeld versorgt als externe Apotheke Kliniken und bringt Erfahrung mit einem geschlossenen Medikationsprozess mit externer, patientenindividueller Verblisterung ein. Die Verblisterungsanlage in Hamburg-Jenfeld kann Beutel herstellen, die jeweils nur ein Arzneimittel enthalten. Ansprechpartnerin ist Insa Goll, Abteilungsleitung Klinikversorgung.
Eine Dosis, eine Verpackung, eine eindeutige Kennzeichnung
Bei Unit-Dose bleibt jede Tablette oder Kapsel bis zur Gabe einzeln identifizierbar. Das ist der entscheidende Unterschied zu Multi-Dose, bei dem alle Arzneimittel eines Einnahmezeitpunkts gemeinsam in einem Beutel liegen.
Änderungen ohne neuen Beutel
Wird ein Arzneimittel abgesetzt oder umgestellt, betrifft das nur die einzelne Dosis. Die übrigen Dosen desselben Zeitpunkts bleiben unverändert verwendbar.
Setzt voraus, dass Änderungen die Apotheke rechtzeitig vor der nächsten Herstellung erreichen.
Scanbar bis zum Bett
Weil jede Dosis eine eigene Kennzeichnung trägt, eignet sich Unit-Dose als Grundlage für Scanprozesse bei der Gabe – sofern die Klinik eine entsprechende Infrastruktur nutzt. Die Beutel aus unserer Anlage tragen einen Barcode.
Scannen am Bett ist eine Leistung des klinischen Systems, nicht der Verpackung allein.
Höherer Herstellungsaufwand
Mehr Verpackungseinheiten bedeuten mehr Material, mehr Kennzeichnung und mehr Handhabung. Das wirkt sich auf Prozesskosten aus.
Wirtschaftlichkeit ergibt sich erst aus dem Gesamtprozess, nicht aus der Verpackung.
Einzeldosis im Beutel: was unsere Beutelkontrolle zeigt
In unserem Verblisterungsraum fotografiert ein Kontrollgerät jeden Beutel. Die abgebildete Prüfübersicht zeigt Beutel, die jeweils genau ein Arzneimittel enthalten: Mehrere Präparate desselben Einnahmezeitpunkts liegen dort in getrennten Beuteln, jeder mit Wirkstoff, Stärke, Charge, Barcode und laufender Nummer.
Die Anlage kann damit Einzeldosen im Beutel herstellen – das Unit-Dose-Prinzip in Beutelform. Ebenso verblistert antares Multi-Dose-Beutel mit mehreren Arzneimitteln je Zeitpunkt. Welches Format für eine Klinik oder Einrichtung eingesetzt wird, legen wir projektbezogen fest.
Wie Unit-Dose in den Medikationsprozess einer Klinik eingebunden wird
Unit-Dose entfaltet seinen Nutzen nur als Teil einer durchgehenden Kette. Jede Station hat einen fachlich und rechtlich klar zugeordneten Verantwortungsbereich.
- Elektronische VerordnungÄrzte verordnen auf Station im klinischen SystemArzt
- Pharmazeutische PrüfungWechselwirkungen, Plausibilität, Allergien, LaborwerteApotheke
- RückfrageKlärung mit der Station, dokumentiert, bei Bedarf telefonischGemeinsam
- HerstellungMaschinelle, patientenbezogene Verpackung und KennzeichnungApotheke
- Kontrolle & LogistikPrüfung, Freigabe, Transport auf die StationApotheke
- Kontrolle & GabeAbgleich mit der aktuellen Verordnung, VerabreichungPflege
- DokumentationElektronische Erfassung der GabePflege
Elektronische Verordnung
Grundlage ist eine strukturierte, elektronische Verordnung. Handschriftliche Kurven oder Übertragungen von Papier in ein System sind eine eigene Fehlerquelle – und mit einer täglichen, patientenbezogenen Herstellung kaum vereinbar. Wie die Verordnung technisch zur Apotheke gelangt, wird mit der IT der Klinik abgestimmt.
Pharmazeutische Prüfung
Bevor eine Dosis hergestellt wird, prüfen Apothekerinnen und Apotheker die Verordnung auf Wechselwirkungen, Plausibilität, Allergien und – soweit verfügbar – Laborwerte, etwa die Nierenfunktion für die Dosisanpassung. Ist eine Rückfrage nötig, wird sie mit der Station geklärt und dokumentiert. Die Therapieentscheidung bleibt ärztlich. Mehr zur pharmazeutischen Arbeit für Kliniken: Arzneimitteltherapiesicherheit für Kliniken.
Patientenbezogene Zuordnung
Jede Dosis trägt Patientenname und Patientennummer, Arzneimittelbezeichnung und Einnahmezeitpunkt. Die Dosen werden nach Station und Patient zusammengestellt, sodass die Pflege die Lieferung eines Patienten als Einheit kontrollieren kann.
Kontrollmechanismen
In der Apotheke sichern elektronische Prüfmechanismen, Scan-Prozesse und Sichtkontrollen die Herstellung ab; im geschlossenen Medikationsprozess für die LungenClinic Großhansdorf gehört auch das Vier-Augen-Prinzip dazu. Auf Station ist das Prinzip eines geschlossenen Prozesses, dass die Pflegekraft vor der Gabe Patient und Dosis abgleicht – in vielen Closed-Loop-Konzepten durch Scannen des Patientenarmbands und der Dosis gegen die elektronische Verordnung. Ob und wie gescannt wird, hängt von der Infrastruktur der Klinik ab.
Arzneimittellogistik
Unit-Dose verändert die Logistik: Statt Stationsvorräte in Packungen aufzufüllen, werden patientenbezogene Lieferungen in kurzen Zyklen ausgeliefert. Akut- und Notfallarzneimittel sowie nicht verblisterbare Arzneimittel bleiben auf Station verfügbar. Wie antares Lager, Kommissionierung und Auslieferung organisiert, beschreibt die Seite Arzneimittellogistik.
Dokumentation der Gabe
Die Verabreichung wird elektronisch erfasst. Erst damit schließt sich der Kreis: Verordnung, Prüfung, Herstellung und Gabe sind für jeden Patienten nachvollziehbar miteinander verbunden.
Closed Loop, Studienlage und Förderrahmen
Unter einem geschlossenen Medikationsprozess (Closed Loop Medication Management) versteht man die digitale Verknüpfung von Verordnung, pharmazeutischer Prüfung, patientenbezogener Bereitstellung und dokumentierter Gabe. Unit-Dose ist ein möglicher Baustein dieses Prozesses, nicht der Prozess selbst. Wie sich das Medikationsmanagement insgesamt entwickelt, beschreibt die Seite Zukunft des Medikationsmanagements.
Eine häufig zitierte Vorher-nachher-Studie von Franklin und Kollegen (2007) fand auf einer chirurgischen Station eines britischen Lehrkrankenhauses nach Einführung eines Closed-Loop-Systems weniger Verordnungs- und Gabefehler. Sie umfasst nur eine Station ohne Kontrollgruppe; ihre Ergebnisse beziehen sich auf das Gesamtsystem aus elektronischer Verordnung, automatisierter Ausgabe, Barcode-Identifikation und elektronischer Gabedokumentation, nicht auf die Einzeldosis-Verpackung allein. Zahlen und Einordnung stehen im Abschnitt Closed-Loop-Medikation.
Das Krankenhauszukunftsgesetz von 2020 fördert unter anderem digitales Medikationsmanagement. Der Fördertatbestand 5 umfasst ausdrücklich Closed-Loop-Prozesse und Unit-Dose-Systeme. Für Kliniken, die solche Projekte geplant oder begonnen haben, stellt sich damit die Frage, wie die Versorgung durch eine externe Apotheke in den Prozess eingebunden wird. Rechtsgrundlage der Versorgung durch eine öffentliche Apotheke ist ein behördlich genehmigter Versorgungsvertrag nach § 14 Apothekengesetz.
Warum Unit-Dose in Deutschland selten ist – und woran es liegt
Die Technik ist verfügbar. Die Hürde liegt in der Finanzierung der Prozesse.
Rainer W. Werther, Geschäftsführender Direktor der antares Apotheke, hat 2022 auf der Fachveranstaltung med.Logistica in einem Vortrag zur wirtschaftlichen Gestaltung der Unit-Dose-Versorgung folgende Thesen vertreten:
- Unit-Dose kann Medikationsfehler senken, hat sich in deutschen Krankenhäusern aber kaum durchgesetzt. Nach der damaligen Vortragsangabe wurden erst etwa 4 Prozent der Krankenhauspatienten so versorgt.
- Das Hindernis ist nicht die Technik, sondern die mikroökonomisch höheren Prozesskosten bei fehlender Refinanzierung.
- Das KHZG kann einen Impuls geben, die Einführung digital gestützter Medikationsprozesse voranzubringen.
Diese Aussagen sind Thesen aus einem Fachvortrag, keine Studienergebnisse. Sie beschreiben die Ausgangslage, mit der Kliniken bei der Planung rechnen sollten: Eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung muss Herstellung, Logistik, IT, Pflegezeit, Verwurf und Stationsvorräte gemeinsam betrachten. Hintergründe dazu finden Sie im Beitrag Unit-Dose im Krankenhaus: wirtschaftliche Umsetzung und auf der Seite Kosten und Wirtschaftlichkeit.
Klinikversorgung und geschlossener Medikationsprozess in der Praxis
antares versorgt als externe Apotheke Krankenhäuser mit Arzneimitteln und pharmazeutischen Leistungen – von der Arzneimitteltherapiesicherheit über das Aufnahme- und Entlassmanagement bis zur Digitalisierung von Bestell- und Verordnungsprozessen. Verantwortet wird die Klinikversorgung von Insa Goll, Fachapothekerin für klinische Pharmazie.
Für die stationären Patienten der LungenClinic Großhansdorf hat antares 2025 gemeinsam mit der Klinik einen geschlossenen Medikationsmanagementprozess mit externer, maschineller patientenindividueller Verblisterung eingeführt. Ärzte verordnen auf Station elektronisch, Apothekerinnen und Apotheker in Hamburg-Jenfeld prüfen jede Verordnung, die Arzneimittel werden in durchsichtigen, mit Patientenname, Patientennummer, Arzneimittelbezeichnung und Einnahmezeitpunkt gekennzeichneten Blistern geliefert. Die Pflege kontrolliert die Lieferung für den Folgetag und erfasst die Gabe elektronisch.
Das Beispiel zeigt die Prozesslogik, auf die es auch bei Unit-Dose ankommt: elektronische Verordnung, pharmazeutische Prüfung vor der Herstellung, eindeutige Kennzeichnung und dokumentierte Gabe.
Was eine Klinik für Unit-Dose mitbringen muss
Elektronische Verordnung
Ohne strukturierte elektronische Verordnung ist eine tägliche patientenbezogene Herstellung kaum sicher umsetzbar. Der Datenweg zur Apotheke wird mit der IT der Klinik geplant.
Schnittstellen hängen vom eingesetzten klinischen System ab und werden projektbezogen geklärt.
Vertrag und Arzneimittelkommission
Die Versorgung durch eine öffentliche Apotheke setzt einen genehmigten Versorgungsvertrag nach § 14 ApoG voraus. Die Apotheke wirkt in der Arzneimittelkommission mit, etwa bei der Arzneimittelliste.
Einzelheiten regelt der Versorgungsvertrag.
Zeitfenster für Änderungen
Verordnungen, die bis zu einem vereinbarten Zeitpunkt vorliegen, fließen in die nächste Herstellung ein. Spätere Änderungen und Neuaufnahmen werden über den Stationsvorrat überbrückt.
Akut- und Notfallmedikation muss auf Station jederzeit verfügbar bleiben.
Nicht alles ist Unit-Dose
Infusionen, flüssige Arzneimittel, Injektionen, Inhalativa und andere nicht verblisterbare Arzneimittel werden in der Klinik ergänzt. Was nicht verblistert wird
Die Pflege führt beide Wege zusammen.
Fragen zur Unit-Dose-Versorgung
Ist Unit-Dose dasselbe wie Closed Loop?
Nein. Closed Loop beschreibt den geschlossenen, digital verknüpften Medikationsprozess von der Verordnung bis zur dokumentierten Gabe. Unit-Dose ist eine Form der patientenbezogenen Bereitstellung, die gut in einen solchen Prozess passt, ihn aber nicht ersetzt.
Kann eine externe Apotheke eine Klinik mit Unit-Dose versorgen?
Ja, grundsätzlich auf Grundlage eines behördlich genehmigten Versorgungsvertrags nach § 14 Apothekengesetz. Entscheidend sind die Entfernung, die Liefertaktung, die Datenwege und die Verfügbarkeit pharmazeutischer Ansprechpartner für Rückfragen.
Was passiert, wenn sich eine Verordnung nach der Lieferung ändert?
Bei Unit-Dose wird nur die betroffene Dosis nicht mehr gegeben; die übrigen Dosen bleiben verwendbar. Bis zur nächsten Herstellung wird die geänderte Medikation aus dem Stationsvorrat gegeben. Der genaue Ablauf wird mit der Klinik vereinbart.
Braucht die Klinik ein Barcode-System am Bett?
Nicht zwingend, aber es kann den Nutzen erhöhen. Ohne Scan erfolgt der Abgleich von Patient und Dosis visuell durch die Pflege. Mit Scan kann das klinische System Patient, Dosis und Verordnung elektronisch abgleichen. Welche Infrastruktur vorhanden ist, klären wir zu Beginn.
Rechnet sich Unit-Dose für ein Krankenhaus?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Höheren Herstellungs- und Logistikkosten stehen mögliche Effekte bei Stationsvorräten, Verwurf und Pflegezeit gegenüber. Für die Beurteilung braucht es eine Betrachtung des Gesamtprozesses der jeweiligen Klinik. Zur Kostenlogik
Eignet sich Unit-Dose auch für Reha-Kliniken oder Pflegeheime?
Für Reha-Kliniken kann Unit-Dose sinnvoll sein, wenn sich Therapien häufig ändern und eine elektronische Verordnung vorhanden ist. In Pflegeheimen mit stabiler Dauermedikation ist meist Multi-Dose das passendere System.
Insa Goll, Fachapothekerin für klinische Pharmazie und Abteilungsleitung Klinikversorgung, bespricht mit Ihnen Ausgangslage, IT-Voraussetzungen und den möglichen Weg zu einem patientenbezogenen Medikationsprozess in Ihrer Klinik.
Weiterführende Themen für Kliniken
Kliniken & Krankenhäuser
Externe Verblisterung im Closed Loop – von der Verordnung bis zur Gabe.
Weiterlesen
Praxisbeispiel LungenClinic Großhansdorf
Externe Verblisterung im geschlossenen Medikationsprozess einer Fachklinik.
Weiterlesen
Unit-Dose vs. Multi-Dose
Zwei Systeme im fachlichen Vergleich – mit Einsatzempfehlungen.
WeiterlesenMedikationsprozesse im Krankenhaus gemeinsam weiterentwickeln?
Wir besprechen mit Ihrer Apotheke, Pflege- und Klinikleitung, welches Versorgungsmodell zu Ihren Stationen, Ihrer IT und Ihren Abläufen passt – vom Pilotbereich bis zur schrittweisen Ausweitung.

