Praxisthema9 Min. Lesezeit

Insulin im Pflegeheim: Lagerung, Pen nach Anbruch, Dokumentation

Insulin gehört nicht in den Blister, aber in einen sicheren Prozess. Was für Lagerung, angebrochene Pens, Nadeln und Dokumentation gilt.
Beratungsgespräch zur Medikation in einer Apotheke
Kurz beantwortet: Wie wird Insulin im Pflegeheim gelagert?

Insulin wird im Pflegeheim vor dem Anbruch in der Regel im Arzneimittelkühlschrank bei 2–8 °C gelagert und darf nicht einfrieren. Ein angebrochener Pen wird nach Fachinformation meist bei Raumtemperatur bis 30 °C aufbewahrt und ist dann nur begrenzt verwendbar – je nach Präparat zum Beispiel 4, 6 oder 8 Wochen. Jeder Pen gehört genau einer Person.

Insulin wird nicht verblistert. Es kommt bewohnerbezogen in der Originalpackung in die Einrichtung; Lagerung, Anbruchdatum, Nadelwechsel und Dokumentation bleiben Aufgaben der Pflege, bei denen die Apotheke fachlich unterstützt.

Inhalt dieser Seite
  1. Wie wird Insulin vor und nach dem Anbruch gelagert?
  2. Was gilt für den Insulinpen nach Anbruch?
  3. Pen, Nadel und Arbeitsschutz: was die Fachinformation verlangt
  4. Was wird bei Insulin dokumentiert?
  5. Hitze, Transport, Abwesenheit: wenn Insulin unterwegs ist
  6. Checkliste: Insulin im Wohnbereich
  7. Beispiel: Zwei Pens, ein Name
  8. Warum Insulin nicht in den Blister gehört – und was die Apotheke beiträgt
Fachliche Ansprechpartnerin: Sinah GaebertStand: 18.10.2026Lesezeit ca. 9 Min.

Wie wird Insulin vor und nach dem Anbruch gelagert?

Für Insulin gelten zwei unterschiedliche Lagerungsphasen. Beide stehen in Abschnitt 6.3 und 6.4 der Fachinformation und in der Packungsbeilage – und unterscheiden sich von Präparat zu Präparat.

Vor dem Anbruch: Kühlschrank, nicht einfrieren

Ungeöffnete Pens, Patronen und Durchstechflaschen lagern nach den geprüften Fachinformationen im Kühlschrank bei 2–8 °C. Sie dürfen nicht einfrieren und nicht in der Nähe des Gefrierfachs oder eines Kühlelements liegen. Im Arzneimittelkühlschrank heißt das: mittig einräumen, nicht an die Rückwand und nicht in die Tür. Einmal gefrorenes Insulin wird nach Fachinformation nicht mehr verwendet – auch wenn es wieder aufgetaut aussieht.

Nach dem Anbruch: begrenzte Zeit, meist bis 30 °C

Der Pen im Gebrauch wird in den geprüften Fachinformationen bei nicht über 30 °C aufbewahrt, geschützt vor direkter Hitze und Licht. Ob er zusätzlich im Kühlschrank liegen darf, ist unterschiedlich geregelt. Die Tabelle zeigt drei Beispiele:

Insulin-Fertigpens: Lagerung nach Anbruch – drei Beispiele aus Fachinformationen (abgerufen am 17.10.2026)
Wirkstoff (je ein Präparat)Verwendbar nach AnbruchTemperatur im GebrauchKühlschrank im Gebrauch?
Insulin glargin 100 E/ml, Fertigpenmaximal 4 Wochennicht über 30 °CNein – in Gebrauch befindliche Pens nicht im Kühlschrank
Insulin detemir, Fertigpenmaximal 6 Wochennicht über 30 °CZulässig (2–8 °C)
Insulin degludec, Fertigpenmaximal 8 Wochen, auch wenn als Ersatz mitgeführtnicht über 30 °CZulässig (2–8 °C)

Beispiele aus den EMA-Produktinformationen dreier Präparate; keine Empfehlung für ein Präparat. Andere Insuline, Konzentrationen und Behältnisse können abweichen. Es gilt die Packungsbeilage der tatsächlich vorhandenen Packung.

Die Faustregel „Insulin ist nach Anbruch vier Wochen haltbar“ stimmt also nur für einen Teil der Präparate. Sicherer ist eine Hausliste der in der Einrichtung verwendeten Insuline mit ihrer jeweiligen Frist; eine Vorlage steht unter Haltbarkeit nach Anbruch.

Was gilt für den Insulinpen nach Anbruch?

  • Anbruchdatum notieren: Datum der ersten Verwendung und „verwendbar bis“ auf den Pen schreiben bzw. ein Etikett aufkleben, ohne die Beschriftung des Pens zu verdecken.
  • Vor dem ersten Gebrauch temperieren: Manche Fachinformationen verlangen, einen Pen aus dem Kühlschrank vor dem ersten Gebrauch einige Zeit bei Raumtemperatur zu lassen – bei einem geprüften Präparat 1 bis 2 Stunden.
  • Sichtprüfung vor jeder Gabe: Klare Insuline nur verwenden, wenn die Lösung klar und farblos ist und keine Partikel enthält. Trübe Insuline (Suspensionen) werden nach Packungsbeilage vor der Gabe gemischt; das Vorgehen ist präparatspezifisch.
  • Bezeichnung prüfen: Fachinformationen weisen ausdrücklich darauf hin, die Bezeichnung des Insulins vor jeder Injektion zu prüfen, weil Verwechslungen – besonders mit kurz wirksamen Insulinen – gemeldet wurden. Viele Bewohner haben ein lang und ein kurz wirksames Insulin.
  • Kappe aufsetzen: Nach der Injektion die Penkappe wieder aufsetzen; sie schützt das Insulin vor Licht.
  • Leere Pens werden nicht wiederverwendet und nach dem Verfahren der Einrichtung entsorgt.

Pen, Nadel und Arbeitsschutz: was die Fachinformation verlangt

Ein Insulinpen ist ein persönliches Arzneimittel. Die Fachinformationen sind hier eindeutig:

  • Ein Pen für eine Person: Jeder Pen darf nur von einem Patienten benutzt werden, auch wenn die Nadel gewechselt wird – um eine Übertragung von Krankheiten zu vermeiden. Nadeln, Patronen und Pens werden nicht geteilt.
  • Für jede Injektion eine neue Nadel: Die Nadel wird nach jeder Injektion entfernt und entsorgt, um Kontamination zu vermeiden. Eine aufgeschraubte Nadel bleibt nicht auf dem Pen.
  • Injektionsstelle wechseln: Innerhalb des gewählten Injektionsbereichs wird die Stelle vor jeder Injektion gewechselt, um Hautveränderungen wie Lipodystrophie und kutaner Amyloidose vorzubeugen. Welche Bereiche genutzt werden, legt die ärztliche Anordnung bzw. Pflegeplanung fest.

Für den Schutz der Pflegekräfte vor Stichverletzungen gilt die Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe TRBA 250. Welche Pen-Nadeln – etwa solche mit Sicherheitsmechanismus – und welche durchstichsicheren Abwurfbehälter eingesetzt werden, legt die Einrichtung in ihrer Gefährdungsbeurteilung fest. Die Apotheke kann geeignete Produkte beschaffen und deren Handhabung erklären.

Was wird bei Insulin dokumentiert?

Insulin gilt in internationalen Listen als Hochrisiko-Arzneimittel und als zeitkritisch. Die Dokumentation muss deshalb lückenlos und eindeutig sein. Zum Mindestumfang gehören:

  • die ärztliche Anordnung mit Präparat, Zeitpunkten und gegebenenfalls Schema – schriftlich und für alle Schichten auffindbar (siehe Ärztliche Anordnung von Medikamenten),
  • jede Gabe mit Uhrzeit, Präparat, Einheiten und Handzeichen,
  • angeordnete Blutzuckermessungen mit Wert und Uhrzeit,
  • Abweichungen wie ausgelassene oder verspätete Gaben und die Rückmeldung an die Ärztin oder den Arzt,
  • Anbruchdatum und „verwendbar bis“ am Pen.

Dosis, Korrekturregeln und Zielwerte legt ausschließlich die Ärztin oder der Arzt fest. Diese Seite enthält bewusst keine Dosierungs- oder Korrekturschemata. Warum der Zeitpunkt bei Insulin und anderen Antidiabetika zählt, beschreibt Zeitkritische Arzneimittel; den Rahmen für Hochrisiko-Arzneimittel Hochrisiko-Arzneimittel im Pflegeheim. Allgemeine Regeln zur Gabedokumentation stehen unter Medikamentengabe dokumentieren.

Hitze, Transport, Abwesenheit: wenn Insulin unterwegs ist

  • Hitze: Über 30 °C wird es für angebrochene Pens kritisch; Fensterbänke, Medikamentenwagen in der Sonne und Fahrzeuge sind ungeeignete Lagerorte. Außerdem kann Wärme die Aufnahme von schnell wirksamem Insulin aus dem Gewebe beschleunigen – ein Grund, bei Hitze genauer zu beobachten und die ärztliche Rücksprache zu suchen. Mehr unter Hitze und Medikamente.
  • Kühlschrank-Abweichung: War der Kühlschrank zu warm oder zu kalt, werden die Insuline gesperrt und die Apotheke wird gefragt. Das Vorgehen beschreibt Medikamentenkühlschrank zu warm oder zu kalt.
  • Lieferung: Insulin kommt als Kühlware getrennt von Raumtemperaturware und wird sofort eingeräumt; siehe Transport und Kühlkette.
  • Abwesenheit, Ausflug, Krankenhaus: Pen, Nadeln, Messgerät und eine Kopie der Anordnung mitgeben, temperaturgeschützt; siehe Medikamente bei Abwesenheit.

Checkliste: Insulin im Wohnbereich

  1. Ungeöffnete Insuline im Arzneimittelkühlschrank

    2–8 °C, mittig, nicht an Rückwand oder Gefrierfach, Temperatur dokumentiert.

  2. Angebrochener Pen nach Packungsbeilage gelagert

    Raumtemperatur bis höchstens der angegebenen Grenze oder – wo erlaubt – Kühlschrank; nie in der Sonne.

  3. Anbruch- und „verwendbar bis“-Datum am Pen

    Frist aus der Hausliste bzw. Packungsbeilage, nicht aus dem Gedächtnis.

  4. Ein Pen pro Person, eindeutig beschriftet

    Name am Pen, getrennte Fächer; lang und kurz wirksame Insuline unterscheidbar aufbewahrt.

  5. Bezeichnung vor jeder Gabe geprüft

    Person, Präparat, Einheiten und Zeitpunkt mit der Anordnung abgeglichen.

  6. Neue Nadel für jede Injektion

    Nadel nach der Injektion entfernt und im durchstichsicheren Behälter entsorgt.

  7. Injektionsstelle gewechselt

    Wechsel innerhalb des festgelegten Bereichs, Auffälligkeiten der Haut weitergegeben.

  8. Gabe und Blutzucker dokumentiert

    Uhrzeit, Einheiten, Handzeichen; Abweichungen an die Ärztin oder den Arzt gemeldet.

  9. Vorgehen bei Temperaturabweichung bekannt

    Sperren, nicht verwenden, Apotheke fragen.

  10. Nachbestellung rechtzeitig

    Pens und Nadeln vor Wochenenden und Feiertagen ausreichend vorrätig.

Beispiel: Zwei Pens, ein Name

Das folgende Beispiel ist typisiert und beschreibt keine konkrete Einrichtung. Ein Bewohner erhält morgens ein lang wirksames und zu den Mahlzeiten ein kurz wirksames Insulin. Beide Pens liegen im selben Fach, beide sind mit seinem Namen beschriftet, und beide haben eine ähnliche Grundfarbe. Im Spätdienst greift eine Aushilfe zum falschen Pen – die Kollegin bemerkt es beim Gegenlesen vor der Injektion.

Die Einrichtung ändert drei Dinge: Die beiden Insuline liegen künftig in getrennten, beschrifteten Fächern; auf dem Medikationsplan steht neben dem Präparat der Hinweis „lang wirksam“ bzw. „kurz wirksam“; die Prüfung der Bezeichnung vor jeder Gabe wird in der Einarbeitung ausdrücklich geübt. Die Apotheke prüft, ob die Pens unterscheidbar genug sind, und bespricht im Team die Hinweise der Fachinformation.

Warum Insulin nicht in den Blister gehört – und was die Apotheke beiträgt

Verblisterung eignet sich für feste orale Arzneimittel. Insulin ist eine Injektionslösung, meist kühlpflichtig, und die Dosis kann sich kurzfristig ändern; es bleibt deshalb in der Originalpackung. Was Verblisterung bei Bewohnern mit Diabetes leisten kann, betrifft die Tabletten: Orale Antidiabetika lassen sich, wenn sie geeignet sind, dem richtigen Einnahmezeitpunkt zuordnen. Welche Arzneimittel verblistert werden, steht unter Welche Medikamente sich zur Verblisterung eignen.

antares liefert Insuline als heimversorgende Apotheke bewohnerbezogen in der Originalpackung und unter Einhaltung der Temperaturanforderungen. Nach Absprache kommen hinzu: eine Hausliste der Insuline mit Fristen und Lagerungshinweisen, die Prüfung der Aufbewahrung im Rahmen des Heimversorgungsvertrags, Schulungen zu Injektionen, Lagerung und Haltbarkeit sowie die Einbeziehung von Insulin und oralen Antidiabetika in die pharmazeutische Medikationsprüfung.

Grenzen

Diese Seite beschreibt Lagerung und Handhabung allgemein. Sie enthält keine Therapie-, Dosierungs- oder Korrekturempfehlungen; diese trifft die Ärztin oder der Arzt. Für das einzelne Präparat gelten Fachinformation und Packungsbeilage.

Quellen und Rechtsgrundlagen
  1. EMA, Produktinformation (EPAR) Lantus, Abschnitte 4.2, 4.4, 6.3, 6.4, 6.6, abgerufen am 17.10.2026.
  2. EMA, Produktinformation (EPAR) Levemir, Abschnitte 6.3, 6.4, 6.6 und Packungsbeilage, abgerufen am 17.10.2026.
  3. EMA, Produktinformation (EPAR) Tresiba, Abschnitte 6.3, 6.4, abgerufen am 17.10.2026.
  4. ABDA: Faktenblatt Kühllagerung von Arzneimitteln, Stand 18.06.2025.
  5. Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie: Heidelberger Hitze-Tabelle, Stand 15.09.2020.
  6. Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe TRBA 250 „Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege“, Nr. 4.2.5 (Sicherheitsgeräte).
  7. Apothekengesetz (ApoG), § 12a (Versorgung von Heimbewohnern).
Häufige Fragen

Fragen zu Insulin im Pflegeheim

Wie lange ist ein Insulinpen nach Anbruch haltbar?

Das ist präparatabhängig und steht in der Packungsbeilage. In drei geprüften Fachinformationen sind es 4, 6 bzw. 8 Wochen, jeweils bei nicht über 30 °C. Deshalb gehört das Anbruchdatum auf jeden Pen.

Muss ein angebrochener Insulinpen in den Kühlschrank?

Nicht unbedingt. Viele Fachinformationen sehen für den Pen im Gebrauch Raumtemperatur bis 30 °C vor. Bei manchen Präparaten ist der Kühlschrank zusätzlich erlaubt, bei anderen soll der Pen im Gebrauch ausdrücklich nicht in den Kühlschrank. Maßgeblich ist die Packungsbeilage.

Wie lange darf Insulin bei Raumtemperatur liegen?

Ein angebrochener Pen nur bis zum Ende der Frist nach Anbruch. Für ungeöffnete Pens, die versehentlich außerhalb des Kühlschranks lagen, gibt es keine allgemeine Regel; die Apotheke klärt das anhand der Fachinformation oder beim Hersteller.

Muss die Pen-Nadel nach jeder Injektion gewechselt werden?

Ja. Fachinformationen verlangen für jede Injektion eine neue Nadel, die nach der Injektion entfernt und entsorgt wird. Der Pen selbst wird nur für eine Person verwendet.

Was tun, wenn Insulin eingefroren war?

Nicht verwenden, kennzeichnen und die Apotheke informieren. Fachinformationen schließen die Verwendung von einmal gefrorenem Insulin aus, auch wenn es nach dem Auftauen unauffällig aussieht. Ersatz wird über Praxis und Apotheke organisiert.

Kann Insulin verblistert werden?

Nein. Insulin ist eine Injektionslösung und wird in der Originalpackung geliefert. Verblistert werden können geeignete Tabletten und Kapseln, zum Beispiel orale Antidiabetika.

Porträt Sinah Gaebert
Ihre Ansprechpartnerin zu Insulin und Kühlware
Sinah Gaebert
Leitung Patientenindividuelle Verblisterung · Fachapothekerin für klinische Pharmazie

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