Digitale Prozesse in der Arzneimittelversorgung von Pflegeeinrichtungen umfassen das E-Rezept, den sicheren Nachrichtendienst KIM der Telematikinfrastruktur, die elektronische Patientenakte (ePA) mit ihrer Medikationsliste und – in der Apotheke – die softwaregestützte Herstellung und Prüfung der Blister. Ziel ist, Verordnungen, Medikationspläne und Rückfragen ohne Abschreiben, Fax und Botengänge auszutauschen.
Die antares Apotheke in Hamburg-Jenfeld verfügt über eine KIM-Adresse und arbeitet in ihrem Verblisterungsraum mit Blistersoftware, Barcode-Scan der Originalpackungen und einer kamerabasierten Beutelkontrolle. Welche digitalen Wege mit Ihrer Einrichtung genutzt werden, stimmen wir gemeinsam ab.
Vertiefung: TI-Anbindung der Pflegeeinrichtung, ePA und Medikationsliste, Pflegesoftware und Apotheke.
Wo heute Medienbrüche entstehen
Wo eine Information abgetippt oder weitergereicht wird, entsteht Aufwand – und eine Stelle, an der etwas verloren gehen kann.
| Information | Heute oft | Digitaler Weg | Was es voraussetzt |
|---|---|---|---|
| Verordnung | Ausgedruckter E-Rezept-Code, abgeholt oder gefaxt | E-Rezept-Token direkt von der Praxis an die Apotheke | Heimversorgungsvertrag, Absprache mit der Praxis, KIM |
| Medikationsplan | Kopie aus der Pflegedokumentation, Fax | Strukturierte Übermittlung über einen sicheren Kanal | Ein führender Plan je Person, vereinbarter Kanal |
| Änderung, Entlassbrief | Telefon, Zettel, Fax | KIM-Nachricht mit Anhang, bei Dringlichkeit zusätzlich Anruf | Aktive KIM-Postfächer auf beiden Seiten, Zuständigkeit für den Abruf |
| Herstellung und Prüfung | Manuelles Stellen und Gegenkontrolle im Wohnbereich | Blistersoftware, Barcode-Scan, kamerabasierte Beutelkontrolle | Verblisterung durch die Apotheke |
Digitale Wege beschleunigen den Austausch, ersetzen aber nicht die Prüfung der Inhalte.
Das E-Rezept im Pflegeheim und in der ambulanten Versorgung
Seit dem 1. Januar 2024 ist das E-Rezept für verschreibungspflichtige Arzneimittel zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verpflichtend. Die Verordnung liegt im E-Rezept-Fachdienst der Telematikinfrastruktur – entscheidend ist, wie der Zugang zur Apotheke gelangt.
Stationäre Pflege
In Pflegeheimen laufen E-Rezepte heute häufig noch über ausgedruckte Zugangscodes, die von der Praxis zur Einrichtung und von dort zur Apotheke gelangen. Seit Juli 2026 dürfen Arztpraxen bei bestehendem Heimversorgungsvertrag Verordnungen und Zugangsdaten nach Absprache direkt an die heimversorgende Apotheke übermitteln (§ 12a Abs. 4 ApoG).
Gilt nur für Bewohner, die über die heimversorgende Apotheke versorgt werden. Befristet bis Ende 2028.
Mehr dazu: Pflegeheime, Alten- & SeniorenheimeAmbulante Versorgung
Für Menschen, die zu Hause von einem Pflegedienst betreut werden, gilt die Sonderregel für Heime nicht. Sie lösen E-Rezepte über Gesundheitskarte, Ausdruck oder E-Rezept-App in einer Apotheke ihrer Wahl ein.
Wie Rezepte bei verblisterter Versorgung zu Hause in die Apotheke kommen, klären wir mit der versorgten Person bzw. ihren Angehörigen.
Mehr dazu: Ambulante PflegediensteWelche Einlösewege es gibt und wie sie sich im Heimalltag bewähren, vergleicht die Seite Rezeptmanagement. Wie Privatpersonen E-Rezepte bei antares einlösen, steht unter E-Rezept einlösen. Für ambulante Dienste beschreibt die Seite Verblisterung für ambulante Pflegedienste den Ablauf.
Die Regelung aus dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz erlaubt die direkte Übermittlung von Verordnungen an die heimversorgende Apotheke als Ausnahme vom Zuweisungsverbot des § 11 ApoG. Sie setzt einen genehmigten Heimversorgungsvertrag und eine Absprache zwischen Praxis und Apotheke voraus; die freie Apothekenwahl der Bewohner bleibt bestehen. Ab 2029 sollen Pflegeheime nach Planung von Gesetzgeber und KBV an den E-Rezept-Fachdienst angebunden sein; eine gesetzliche Frist ist nicht festgelegt. Voraussetzungen, Folgen und offene Punkte erläutern wir ausführlich unter Neuregelung 2026.
TI-Anbindung und KIM: der sichere Kanal zwischen Einrichtung, Praxis und Apotheke
Die Telematikinfrastruktur (TI) ist das geschützte Netz des Gesundheitswesens. Ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen mussten bis zum 1. Juli 2025 die Voraussetzungen für den Anschluss an die TI erfüllen. Damit erhalten sie Zugang zu KIM und – im Rahmen der Berechtigungen – zur elektronischen Patientenakte.
KIM (Kommunikation im Medizinwesen) ist der E-Mail-Dienst der TI. Nachrichten werden verschlüsselt übertragen, Absender sind über ein zentrales Verzeichnis eindeutig identifizierbar. Für die Arzneimittelversorgung eignet sich KIM für Medikationspläne, Entlassbriefe, Änderungsmitteilungen und schriftliche Rückfragen – und, nach der Neuregelung, für E-Rezept-Zugangsdaten aus der Arztpraxis.
Ein KIM-Postfach nützt nur, wenn es gelesen wird. Ist niemand für den Abruf zuständig oder steht der einzige Zugang in der Verwaltung, erreicht eine Änderung den Wohnbereich nicht. Zur technischen Anbindung gehört deshalb immer eine organisatorische Festlegung.
Die antares Apotheke verfügt über eine KIM-Adresse. Wie wir KIM mit Ihrer Einrichtung nutzen, legen wir bei der Abstimmung der Kommunikationswege fest.
Elektronische Patientenakte und Medikationsplan: was sie leisten und was nicht
Seit 2025 haben gesetzlich Versicherte grundsätzlich eine elektronische Patientenakte, sofern sie nicht widersprechen. Für die Medikation ist sie eine wichtige zusätzliche Informationsquelle – aber kein Ersatz für den abgestimmten Medikationsplan der Einrichtung.
Medikationsliste in der ePA
Aus E-Rezept-Daten entsteht in der ePA eine Übersicht verordneter und abgegebener Arzneimittel. Sie hilft, Verordnungen mehrerer Praxen zusammenzusehen.
Zeigt Verordnungen und Abgaben, nicht die tatsächliche Gabe. Selbst gekaufte Präparate fehlen oft.
Mehr dazu: ePA und Medikationsliste im PflegeheimBundeseinheitlicher Medikationsplan
Wer mindestens drei systemisch wirkende Arzneimittel gleichzeitig verordnet bekommt, hat Anspruch auf einen Medikationsplan (§ 31a SGB V). Er soll künftig elektronisch geführt werden.
Den genauen Zeitplan für den elektronischen Medikationsplan beobachten wir; er ist noch nicht flächendeckend Alltag.
Mehr dazu: MedikationsplanFührender Plan der Einrichtung
Für die Verblisterung braucht es je Person genau einen gültigen Plan mit Einnahmezeitpunkten und Hinweisen. Daran gleicht die Apotheke Verordnungen ab.
ePA, Arztbrief und Pflegedokumentation sind Quellen, nicht automatisch der gültige Plan.
Ob eine Einrichtung oder Apotheke auf die ePA zugreifen kann, hängt von Anbindung, Berechtigung und einem möglichen Widerspruch der versicherten Person ab. Wie wir Medikationen prüfen, beschreibt die Seite Medikationsmanagement.
Vom Auftrag bis zum geprüften Beutel: Software, Scan und Kamera
In unserem Verblisterungsraum stützen Software, Barcode-Scan und Kamera die wesentlichen Arbeitsschritte. Die fachliche Bewertung bleibt beim Menschen.
Drei digitale Kontrollpunkte
- Auftrag in der Blistersoftware: Der pharmazeutisch geprüfte Medikationsplan ist die Sollvorgabe – welche Person, welches Arzneimittel, welcher Zeitpunkt.
- Barcode-Scan: Die Originalpackung wird vor dem Befüllen gescannt; der Kassettenträger trägt einen eigenen Barcode, der Bildschirm am Arbeitsplatz zeigt die Fächerbelegung.
- Kamerabasierte Beutelkontrolle: Ein Kontrollgerät fotografiert die Beutel des Strangs, die Software gleicht die Bilder mit der Sollvorgabe ab und zeigt je Beutel einen Status; auffällige Beutel prüft Fachpersonal manuell.
Die einzelnen Arbeitsschritte in Bildern zeigt der Rundgang Wie funktioniert Verblisterung?, alle Prüfpunkte mit ihren Grenzen die Seite Qualität und Sicherheit.
Die Kamera prüft, ob der Beutel der Sollvorgabe entspricht – nicht, ob die Sollvorgabe richtig ist. Ein veralteter oder fehlerhafter Medikationsplan wird korrekt verpackt und korrekt geprüft. Deshalb stehen die pharmazeutische Prüfung vor der Herstellung und die Kontrolle durch die Pflege vor der Gabe als eigenständige Stufen daneben. Fehlerfreiheit garantiert keine Technik.
Welche Kommunikationswege für Medikationsdaten geeignet sind
Medikationsdaten sind Gesundheitsdaten und damit nach Art. 9 DSGVO besonders geschützt. Für den Austausch zwischen Einrichtung, Praxis und Apotheke kommt es auf den Kanal an.
| Kanal | Einordnung | Hinweis |
|---|---|---|
| KIM | Geeignet | Verschlüsselt, Absender identifizierbar, nachvollziehbar. Setzt TI-Anbindung und einen geregelten Abruf voraus. |
| E-Rezept-Fachdienst | Geeignet für Verordnungen | Für Medikationspläne und Rückfragen nicht vorgesehen. |
| Telefon | Geeignet für dringende Rückfragen | Ergebnis schriftlich festhalten; Identität des Gegenübers sicherstellen. |
| Fax | Nur eingeschränkt geeignet | Datenschutzaufsichtsbehörden halten Fax für Gesundheitsdaten nicht für ausreichend sicher; Fehlwahl und offen stehende Geräte sind typische Risiken. Wo möglich durch KIM ersetzen. |
| Unverschlüsselte E-Mail, Messenger, Webformular | Nicht geeignet | Keine Gesundheitsdaten auf diesem Weg – auch nicht über das Kontaktformular dieser Website. |
Neben einem sicheren Kanal braucht der Austausch eine Rechtsgrundlage und die Wahrung der Schweigepflicht. In der Heimversorgung werden dafür in der Regel dokumentierte Einwilligungen und Schweigepflichtentbindungen der Bewohner bzw. ihrer Vertreter eingeholt. Wie antares mit personenbezogenen Daten umgeht, beschreibt die Datenschutzerklärung.
Was Einrichtungen für digitale Arzneimittelprozesse brauchen
Die meisten Punkte kann eine Einrichtung selbst prüfen, bevor sie mit Apotheke und Praxen über digitale Wege spricht.
Technisch
TI-Anbindung funktionsfähig
Die Einrichtung ist an die Telematikinfrastruktur angebunden; Institutionskarte und Zugangsdienst sind eingerichtet und gültig. Wer ist bei Störungen technischer Ansprechpartner?
KIM-Adresse aktiv und auffindbar
Die Einrichtung hat eine KIM-Adresse, die im Verzeichnis eingetragen ist und von Apotheke und Praxen gefunden wird.
Zugang dort, wo gearbeitet wird
Die für Medikation Verantwortlichen können KIM-Nachrichten zeitnah lesen – nicht nur ein Rechner in der Verwaltung.
Ausfallweg festgelegt
Es ist geregelt, wie dringende Änderungen übermittelt werden, wenn TI oder KIM gestört sind.
Organisatorisch
Zuständigkeit für das Postfach
Eine benannte Person mit Vertretung ruft KIM-Nachrichten zu festen Zeiten ab und leitet sie an den Wohnbereich weiter.
Übersicht der Praxen
Für jede beteiligte Arztpraxis ist bekannt, ob sie KIM nutzt, unter welcher Adresse und wer dort Ansprechpartner ist.
Ein führender Medikationsplan je Person
Es ist festgelegt, wo der gültige Plan geführt wird und wer ihn nach einer Änderung aktualisiert.
Einwilligungen dokumentiert
Für Bewohner, die über die heimversorgende Apotheke versorgt werden, liegen die Einwilligungen in Versorgung und Datenaustausch vor.
Verfahrensanweisung für digitale Eingänge
Schriftlich geregelt: Was geschieht mit einer eingehenden Änderung, wer bestätigt, wie wird dokumentiert?
Mitarbeitende eingewiesen
Auch Nacht- und Wochenenddienste wissen, welche Informationen auf welchem Weg kommen. Hilfreich dazu: Schulungen für Pflegekräfte.
Digitale Wege mit antares: was feststeht und was wir mit Ihnen klären
Was feststeht
antares verfügt über eine KIM-Adresse, nimmt E-Rezepte entgegen und arbeitet im Verblisterungsraum mit Blistersoftware, Barcode-Scan und kamerabasierter Beutelkontrolle. In der Klinikversorgung nutzt antares elektronische Verordnung und digitale Anforderungssysteme, etwa im geschlossenen Medikationsprozess der LungenClinic Großhansdorf.
Was wir abstimmen
Welche Kanäle für Pläne, Änderungen und Rückfragen genutzt werden, wie die Einrichtung über eingegangene Verordnungen informiert wird und ob eine Anbindung an die Pflegedokumentationssoftware Ihrer Einrichtung möglich ist, klären wir im Einzelfall – abhängig von Ihren Systemen und den beteiligten Praxen.
Wie digitale Verordnung, Automatisierung und Closed Loop das Medikationsmanagement verändern, ordnet der Beitrag Die Zukunft des Medikationsmanagements ein. Für Krankenhäuser beschreibt die Seite Digitalisierung in Kliniken unser Angebot.
Praxisbeispiel: Entlassung am Freitagnachmittag (typische Situation)
Das Beispiel beschreibt eine typische, vereinfachte Situation, keinen konkreten Fall.
Ein Bewohner kehrt am Freitag um 15:00 Uhr aus dem Krankenhaus zurück, der Entlassbrief nennt zwei neue Arzneimittel und ein abgesetztes. Ohne geregelten Weg wird der Brief gefaxt und telefonisch nachgefragt, ob er angekommen ist. Mit eingerichtetem Ablauf schickt die Wohnbereichsleitung den Entlassbrief über KIM an die Apotheke und informiert telefonisch über die Dringlichkeit. Die Apotheke prüft die Entlassmedikation, klärt eine Rückfrage mit der Hausarztpraxis und vereinbart die Überbrückung bis zum nächsten Blister. Der Austausch ist für beide Seiten schriftlich nachvollziehbar. Mehr dazu unter Medikationsänderungen.
Fragen zu digitalen Prozessen in der Arzneimittelversorgung
Müssen Pflegeeinrichtungen an die Telematikinfrastruktur angeschlossen sein?
Ja. Ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen mussten bis zum 1. Juli 2025 die Voraussetzungen für den Anschluss an die Telematikinfrastruktur erfüllen. Für die Arzneimittelversorgung ist vor allem KIM wichtig, der sichere Nachrichtendienst der TI. Entscheidend ist, dass die Anbindung auch organisatorisch genutzt wird: mit festen Zuständigkeiten für den Abruf von Nachrichten.
Was ist KIM und wofür nutzen Einrichtungen es?
KIM steht für Kommunikation im Medizinwesen und ist der verschlüsselte E-Mail-Dienst der Telematikinfrastruktur. Einrichtungen können darüber Medikationspläne, Entlassbriefe, Änderungsmitteilungen und Rückfragen mit Arztpraxen und Apotheken austauschen. Die antares Apotheke verfügt über eine KIM-Adresse.
Ersetzt die elektronische Patientenakte den Medikationsplan der Einrichtung?
Nein. Die Medikationsliste der ePA zeigt verordnete und abgegebene Arzneimittel, aber nicht, was tatsächlich und zu welcher Uhrzeit gegeben wird. Für die Verblisterung braucht es je Person einen abgestimmten, führenden Medikationsplan. Die ePA ist dafür eine wertvolle zusätzliche Quelle.
Wie prüft antares die verblisterten Beutel digital?
In unserem Verblisterungsraum werden die Originalpackungen vor dem Befüllen per Barcode gescannt. Nach der Verpackung fotografiert ein kamerabasiertes Kontrollgerät die Beutel des Strangs und gleicht sie automatisch mit der Sollvorgabe aus der Blistersoftware ab. Fachpersonal prüft die Ergebnisse am Bildschirm und kontrolliert auffällige Beutel manuell.
Gibt es eine Schnittstelle zu unserer Pflegesoftware?
Das hängt von der Software Ihrer Einrichtung ab. Ob und wie ein Datenaustausch mit Ihrer Pflegedokumentation möglich ist, klären wir im Einzelfall. Unabhängig davon lassen sich Medikationspläne, Änderungen und Rückfragen sicher über KIM austauschen.
Dürfen wir Medikationspläne per E-Mail oder Kontaktformular schicken?
Nicht per unverschlüsselter E-Mail und nicht über das Kontaktformular dieser Website. Medikationsdaten sind besonders geschützte Gesundheitsdaten. Geeignet ist KIM oder ein anderer vereinbarter, geschützter Weg. Für eine erste Anfrage genügen Strukturdaten ohne Namen und Diagnosen.
Sie möchten Ihre Rezept- und Kommunikationswege digital ordnen oder wissen, wie unsere Prüfprozesse im Verblisterungsraum funktionieren? Sinah Gaebert und das Team besprechen mit Ihnen, was in Ihrer Einrichtung möglich ist.
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