Praxisthema8 Min. Lesezeit

Pflegekräfte entlasten: was beim Medikamentenmanagement wirklich hilft

Medikamente sind ein Entlastungshebel unter mehreren. Ein Maßnahmenkatalog für Leitungen – von Unterbrechungen über Rollenverteilung bis zu den Aufgaben, die eine Apotheke übernehmen kann.
Apotheker und Pflegekraft besprechen am Medikamentenwagen auf dem Wohnbereichsflur Angaben auf einem Tablet
Kurz beantwortet: Wie lassen sich Pflegekräfte beim Medikamentenmanagement entlasten?

Pflegekräfte lassen sich beim Medikamentenmanagement vor allem an fünf Stellen entlasten: beim Stellen der Arzneimittel, beim Rezeptlauf mit Arztpraxen und Apotheke, bei Telefonaten und Rückfragen, bei der Dokumentation und – in der ambulanten Pflege – bei der Tourenplanung. Wirksam sind meist mehrere kleine Maßnahmen zusammen: störungsfreie Zeiten, klare Rollen, gebündelte Kommunikation und das gezielte Abgeben von Aufgaben an Assistenzkräfte, Verwaltung oder Apotheke.

Eine Apotheke wie antares kann Stellen (durch Verblisterung), Teile des Rezeptmanagements, die pharmazeutische Prüfung von Medikationsplänen und Schulungen übernehmen. Die Verantwortung für Gabe, Beobachtung und Dokumentation bleibt in der Pflege – und nicht jeder Zeitaufwand rund um Arzneimittel entsteht beim Stellen.

Inhalt dieser Seite
  1. Ein ehrlicher Blick: Medikamente sind ein Hebel unter mehreren
  2. Wo im Medikamentenmanagement Pflegezeit gebunden wird
  3. Maßnahmenkatalog: zwölf Hebel für Leitungen
  4. Was eine Apotheke übernehmen kann
  5. Beispiel: Was eine Bestandsaufnahme zeigen kann
  6. Wie Verblisterung und pharmazeutische Begleitung helfen können – und wo nicht
Fachliche Ansprechpartnerin: Sinah GaebertStand: 17.10.2026Lesezeit ca. 8 Min.

Ein ehrlicher Blick: Medikamente sind ein Hebel unter mehreren

Wer Pflegekräfte entlasten will, sucht oft nach der einen großen Maßnahme. Die gibt es selten. Pflegezeit verteilt sich auf viele Tätigkeiten, und das Medikamentenmanagement ist nur eine davon – allerdings eine, die Fachkräfte bindet, Konzentration verlangt und sich schlecht verschieben lässt. Gleichzeitig ist es ein Bereich, in dem sich Aufgaben vergleichsweise klar beschreiben, aufteilen und teilweise an Dritte abgeben lassen.

Diese Seite ist ein Maßnahmenkatalog für Leitungen. Die Analyse, was Verblisterung beim Pflegekräftemangel leisten kann und wo ihre Grenzen liegen, steht im Abschnitt zum Pflegekräftemangel im Vergleich Verblisterung und manuelles Stellen. Hier geht es um die Frage: Was können Sie konkret tun – mit und ohne Apotheke?

Wo im Medikamentenmanagement Pflegezeit gebunden wird

Bevor Maßnahmen greifen, lohnt eine Bestandsaufnahme. Die folgende Übersicht zeigt die typischen Tätigkeitsblöcke rund um Arzneimittel – mit der Frage, wer sie übernehmen könnte.

Tätigkeiten rund um Arzneimittel und mögliche Verteilung
TätigkeitTypischer ZeitfresserWer kann übernehmen oder unterstützen?
Stellen fester ArzneimittelRegelmäßig, konzentrationsintensiv, mit ZweitkontrolleApotheke durch Verblisterung (verblisterbarer Anteil)
RezeptlaufBestände prüfen, Folgerezepte anfordern, nachfassenVerwaltung bzw. Assistenz, Apotheke im Rezeptmanagement
Telefonate und RückfragenPraxen schwer erreichbar, Rückrufe zu ungünstigen ZeitenFeste Zeitfenster, gebündelte Anfragen, sichere digitale Wege
Lieferannahme und EinsortierenKontrolle, Zuordnung, Nachfragen bei AbweichungenGeschulte Assistenzkräfte nach Verfahrensanweisung
DokumentationDoppelte Einträge, Papier neben SoftwareVereinfachte Dokumentation, ein führender Plan
Kontrolle, Gabe, BeobachtungGaberunden, Wirkkontrolle, BedarfsmedikationBleibt pflegefachliche Aufgabe
Touren (ambulant)Einsätze nur für Medikamentengabe oder -richtenTourenplanung, Verblisterung, Einbindung Angehöriger

Wer welche Tätigkeit übernehmen darf, richtet sich nach Qualifikation, Landesrecht und Ihrer Verfahrensanweisung.

Maßnahmenkatalog: zwölf Hebel für Leitungen

Die Maßnahmen sind nach Bereichen geordnet. Nicht jede passt in jede Einrichtung; viele kosten wenig Geld, aber klare Absprachen.

Unterbrechungen reduzieren

  1. Störungsfreie Zeiten für Stellen und Gaberunden

    Medikamentenzeiten werden im Dienstplan als geschützte Zeit ausgewiesen. Eine andere Person übernimmt Telefon und Klingel. Ein sichtbares Zeichen – Schild an der Tür, Hinweis am Medikamentenwagen – macht die Regel für Kolleginnen, Kollegen und Angehörige erkennbar.

  2. Feste Telefonzeiten für Angehörige und Praxen

    Wer weiß, wann jemand erreichbar ist, ruft seltener zur falschen Zeit an. Feste Zeitfenster für Rückfragen und Rückrufe können die Gaberunden entlasten, wenn sie verlässlich eingehalten und allen Beteiligten bekannt sind.

  3. Ein fester Platz für das Stellen

    Ein ruhiger, gut beleuchteter Platz mit allem Material verhindert Suchwege und Unterbrechungen. Wo kein eigener Raum möglich ist, hilft ein abgegrenzter Arbeitsplatz.

Rollen und Aufgaben klar verteilen

  1. Tätigkeiten nach Qualifikation zuordnen

    Lieferannahme, Einsortieren, Bestandslisten oder das Vorbereiten von Rezeptanforderungen können – nach Schulung und Verfahrensanweisung – Assistenzkräfte oder Verwaltung übernehmen. Pflegefachkräfte konzentrieren sich auf Kontrolle, Gabe, Beobachtung und fachliche Rückfragen. Diese Logik entspricht dem Grundgedanken eines qualifikationsgerechten Personaleinsatzes.

  2. Eine medikamentenverantwortliche Person je Wohnbereich

    Eine benannte Fachkraft (mit Vertretung) hält den Überblick über Pläne, Bestände und offene Rückfragen. Das verhindert, dass dieselbe Frage von drei Personen an drei Stellen gestellt wird.

  3. Ansprechpartner auf beiden Seiten

    Für Apotheke und Hauptpraxen ist festgelegt, wer in der Einrichtung zuständig ist – und umgekehrt. Ein kurzer Weg ersetzt viele Telefonate.

Kommunikation und Rezeptlauf bündeln

  1. Rezeptanforderungen sammeln statt einzeln

    Folgeverordnungen werden zu festen Terminen gebündelt angefordert, auf Basis einer vorausschauenden Bestandsübersicht. Das reduziert Eilanfragen und Nachfassen. Wie Apotheke, Praxen und Einrichtung das gemeinsam organisieren, beschreibt die Seite Rezeptmanagement.

  2. Sichere digitale Wege nutzen

    Pflegeeinrichtungen mussten bis 1. Juli 2025 die Voraussetzungen für den Anschluss an die Telematikinfrastruktur erfüllen. Wo KIM und E-Rezept im Alltag genutzt werden, entfallen Faxe, Botengänge und Abholfahrten. Seit Juli 2026 dürfen Arztpraxen bei bestehendem Heimversorgungsvertrag E-Rezept-Token nach Absprache direkt an die heimversorgende Apotheke übermitteln – Details unter Neuregelung 2026.

  3. Visiten vor- und nachbereiten

    Eine kurze Liste offener Punkte je Bewohner vor der Visite und eine strukturierte Übergabe der Änderungen danach verhindern Rückfragen in den folgenden Tagen.

Dokumentation und Touren vereinfachen

  1. Ein führender Medikationsplan

    Für jeden Bewohner gibt es genau einen gültigen Plan; Gabelisten werden daraus abgeleitet, nicht parallel gepflegt. Doppelte Einträge auf Papier und in der Software sind ein häufiger, unnötiger Zeitfresser.

  2. Dokumentation auf das Notwendige ausrichten

    Das Strukturmodell zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation beruht auf dem Gedanken, dass sich Dokumentation fachlich fundiert verschlanken lässt. Für Arzneimittel gilt: Gabe, Abweichungen, Bedarfsgaben mit Wirkung und Besonderheiten werden dokumentiert – Routine ohne Informationswert nicht mehrfach.

  3. Ambulant: Medikamenteneinsätze in der Tour prüfen

    Für ambulante Pflegedienste lohnt der Blick, welche Einsätze ausschließlich dem Richten oder Verabreichen von Arzneimitteln dienen und ob sich Zeitpunkte bündeln lassen – in Abstimmung mit der verordnenden Praxis. Verblisterte Beutel können die Arbeit vor Ort vereinfachen. Mehr dazu auf der Seite für ambulante Pflegedienste.

Was eine Apotheke übernehmen kann

Ein Teil der Arbeit rund um Arzneimittel lässt sich an eine heimversorgende Apotheke abgeben oder mit ihr teilen. Was davon sinnvoll ist, hängt von Ihrer Einrichtung ab.

Stellen durch Verblisterung

Feste, verblisterbare Arzneimittel werden in der Apotheke je Einnahmezeitpunkt verpackt, kontrolliert und beschriftet geliefert. Zur Verblisterung

Nur für den verblisterbaren Anteil; Kontrolle vor der Gabe bleibt.

Rezeptmanagement

Die Apotheke behält Reichweiten im Blick und koordiniert Folgeverordnungen mit den Praxen nach vereinbartem Ablauf. Zum Rezeptmanagement

Verordnung bleibt ärztliche Entscheidung; Einwilligungen müssen vorliegen.

Pharmazeutische Prüfung

Medikationspläne werden auf Plausibilität, Wechselwirkungen und Doppelverordnungen geprüft; Rückfragen gehen gebündelt an die Praxis. Zum Medikationsmanagement

Empfehlungen; Therapieentscheidung bleibt ärztlich.

Planbare Belieferung

Lieferungen im vereinbarten Rhythmus mit klarer Übergabe reduzieren Eilbestellungen und Abholwege. Zur Arzneimittellogistik

Lieferzeiten und Rhythmus werden vertraglich vereinbart.

Schulungen

Kurze Schulungen zu AMTS, Lagerung, Anwendung besonderer Darreichungsformen und Dokumentation geben Sicherheit und sparen Rückfragen. Zu den Schulungen

Ersetzt keine pflegefachliche Ausbildung oder Einarbeitung.

Lagerungskontrolle

Die heimversorgende Apotheke überprüft regelmäßig die bewohnerbezogene Aufbewahrung und gibt konkrete Hinweise. Zur Arzneimittellagerung

Verantwortung für die tägliche Lagerung bleibt in der Einrichtung.

Beispiel: Was eine Bestandsaufnahme zeigen kann

Das folgende Beispiel ist typisiert und beschreibt keine konkrete Einrichtung. Eine Pflegedienstleitung lässt in zwei Wohnbereichen eine Woche lang mitschreiben, womit Fachkräfte rund um Arzneimittel Zeit verbringen. Das Ergebnis überrascht: Das Stellen ist ein großer Block, aber fast ebenso viel Zeit geht in Telefonate mit Praxen, in das Nachfassen fehlender Rezepte und in doppelte Dokumentation auf Papier und in der Software.

Die Einrichtung setzt in drei Schritten an: Zuerst werden feste Telefonzeiten und eine gebündelte Rezeptanforderung eingeführt, und die Papierliste entfällt. Danach übernimmt eine geschulte Assistenzkraft die Lieferannahme. Erst im dritten Schritt prüft die Leitung mit der Apotheke, für welche Bewohner eine Verblisterung sinnvoll ist. So lässt sich jeder Schritt einzeln bewerten – und es wird sichtbar, welcher Hebel in diesem Haus wie viel bewirkt.

Wie Verblisterung und pharmazeutische Begleitung helfen können – und wo nicht

Verblisterung durch antares verlagert das Zusammenstellen fester, verblisterbarer Arzneimittel aus dem Wohnbereich in den Verblisterungsraum der Apotheke in Hamburg-Jenfeld. Dort wird jeder Beutel kamerabasiert geprüft und von Fachpersonal kontrolliert; vorab prüfen Apothekerinnen und Apotheker den Medikationsplan. Für Pflegekräfte entfällt damit das Stellen dieses Anteils und die Unterbrechungsanfälligkeit, die damit verbunden ist.

Was Verblisterung nicht leistet: Sie ersetzt keine Pflegefachkraft, keine Kontrolle vor der Gabe und keine Beobachtung. Nicht verblisterbare Arzneimittel und Bedarfsmedikation bleiben in der Einrichtung. Neue Aufgaben – Änderungen fristgerecht melden, Lieferungen annehmen, Überbrückungen organisieren – kommen hinzu. Belastbare Durchschnittszahlen zur freigesetzten Pflegezeit gibt es nach unserem Kenntnisstand nicht; das IQWiG fand in seinem Rapid Report A18-35 (2019) für stationäre Pflegeeinrichtungen keine belastbaren Belege zu Nutzen oder Wirtschaftlichkeit. Ob sich der Hebel für Sie lohnt, zeigen Ihre eigenen Zahlen: im Aufwandsrechner und in der Abwägung der Vorteile für Pflegeheime.

Quellen und Rechtsgrundlagen
  1. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Patientenindividuelle Verblisterung. Rapid Report A18-35, Mai 2019.
  2. Apothekengesetz (ApoG), § 12a (Versorgung von Heimbewohnern), einschließlich Abs. 4 in der Fassung des Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetzes (2026).
  3. Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO), § 34 (Patientenindividuelles Stellen oder Verblistern von Arzneimitteln).
Häufige Fragen

Fragen zur Entlastung von Pflegekräften

Wie viel Zeit spart Verblisterung pro Bewohner?

Eine seriöse Pauschalzahl gibt es nicht. Die Zeitersparnis hängt davon ab, wie viel Ihrer Stellzeit auf verblisterbare Arzneimittel entfällt, wie oft sich Medikationen ändern und wie viel Zeit neue Aufgaben wie Änderungsmeldungen binden. Eine einwöchige Messung in Ihrer Einrichtung liefert belastbarere Werte als jeder Durchschnitt.

Welche Maßnahme bringt am schnellsten Entlastung?

Oft sind es organisatorische Maßnahmen ohne Investition: störungsfreie Medikamentenzeiten, feste Telefonzeiten und gebündelte Rezeptanforderungen. Sie lassen sich innerhalb weniger Wochen einführen und zeigen, wo danach noch der größte Aufwand liegt.

Dürfen Assistenzkräfte Aufgaben rund um Arzneimittel übernehmen?

Für bestimmte Tätigkeiten ja, etwa Lieferannahme, Einsortieren oder das Vorbereiten von Rezeptanforderungen – nach Schulung und auf Grundlage Ihrer Verfahrensanweisung. Was im Einzelnen zulässig ist, regeln Landesrecht, Qualifikation und die Organisation Ihrer Einrichtung. Kontrolle und fachliche Bewertung bleiben bei Pflegefachkräften.

Muss man für Entlastung durch die Apotheke gleich alles umstellen?

Nein. Viele Einrichtungen beginnen mit einem Wohnbereich oder mit einzelnen Leistungen wie Rezeptmanagement oder Schulungen. So lässt sich jeder Schritt einzeln bewerten, bevor weitere folgen.

Entlastet Verblisterung auch ambulante Pflegedienste?

Sie kann das Richten von Arzneimitteln in der Häuslichkeit vereinfachen, weil die Beutel bereits je Einnahmezeitpunkt beschriftet sind. Ob sich Einsätze dadurch verkürzen oder bündeln lassen, hängt von der Medikation und der ärztlichen Anordnung ab. Ansprechpartnerin für ambulante Dienste ist Marta Bend.

Porträt Sinah Gaebert
Ihre Ansprechpartnerin für Entlastung im Medikamentenmanagement
Sinah Gaebert
Leitung Patientenindividuelle Verblisterung · Fachapothekerin für klinische Pharmazie

Sie möchten wissen, welche Aufgaben die Apotheke in Ihrer Einrichtung sinnvoll übernehmen kann? Sinah Gaebert bespricht mit Ihnen Ihre Abläufe – gern auf Basis Ihrer eigenen Messung.

Wie viel einfacher könnte die Arzneimittelversorgung in Ihrer Einrichtung werden?

Wir analysieren gemeinsam Ihre aktuelle Versorgung und zeigen, ob und wie patientenindividuelle Verblisterung Ihre Abläufe unterstützen kann.

Zertifizierte Qualität und sichere Prozesse

Unsere GDP- und ISO-Zertifizierungen stehen für geprüfte Qualität, verlässliche Abläufe und eine sichere Arzneimittelversorgung. Sie bestätigen unter anderem die fachgerechte Lagerung, Prüfung, Dokumentation und Auslieferung von Arzneimitteln sowie ein wirksames Qualitäts- und Logistikmanagement.

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