Immuntherapie bei Krebs – wie sie wirkt, was Patienten wissen sollten und welche Warnzeichen wichtig sind

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Stand: 07.10.2026 · 4 Min. Lesezeit ·

Kurz erklärt

Immuntherapien sollen das körpereigene Immunsystem dazu befähigen, Krebszellen besser zu erkennen und anzugreifen. Besonders häufig kommen heute Immun-Checkpoint-Inhibitoren zum Einsatz. Anders als eine klassische Chemotherapie greifen sie nicht primär die Zellteilung an. Deshalb unterscheiden sich auch die möglichen Nebenwirkungen: Durch eine überschießende Immunreaktion können Entzündungen in verschiedenen Organen entstehen. Neue oder ungewöhnliche Beschwerden sollten deshalb frühzeitig abgeklärt werden.

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Immuntherapien aktivieren das eigene Immunsystem gegen Tumorzellen – das unterscheidet sie von Chemotherapie und zielgerichteten Therapien.
  • Immunvermittelte Nebenwirkungen können viele Organe betreffen – auch Haut, Lunge, Leber, Darm und Hormondrüsen.
  • Neue Beschwerden während oder nach einer Immuntherapie nicht als harmlos abtun – frühzeitig beim Behandlungsteam melden.
  • Immuntherapie nicht eigenständig unterbrechen oder Kortisonpräparate ohne Anweisung einsetzen.
  • „Immunsystem stärken" durch Nahrungsergänzungsmittel ist nicht mit medizinischer Immuntherapie gleichzusetzen – vorher mit der Apotheke prüfen.

Was ist eine Immuntherapie bei Krebs?

Unter dem Begriff Immuntherapie werden verschiedene Behandlungsansätze zusammengefasst, die das Immunsystem gezielt gegen Tumorzellen aktivieren oder dessen Bremsmechanismen verändern. Zu den etablierten Verfahren gehören vor allem Immun-Checkpoint-Inhibitoren. In bestimmten Erkrankungssituationen kommen außerdem CAR-T-Zelltherapien, bispezifische Antikörper oder andere immunologisch wirksame Verfahren infrage.

Ob eine Immuntherapie geeignet ist, hängt unter anderem von Tumorart, Krankheitsstadium, Vorbehandlungen und teilweise von biologischen Merkmalen des Tumors ab. Die Entscheidung trifft das onkologische Behandlungsteam auf Basis der individuellen Erkrankungssituation.

Wie funktionieren Checkpoint-Inhibitoren?

Das Immunsystem besitzt Kontrollpunkte, sogenannte Checkpoints. Sie verhindern normalerweise, dass Immunreaktionen zu stark werden und gesundes Gewebe angreifen. Manche Tumoren nutzen diese Kontrollmechanismen, um sich der Immunabwehr zu entziehen. Checkpoint-Inhibitoren blockieren bestimmte dieser Bremsen und können dadurch die Immunantwort gegen Tumorzellen verstärken.

Für Patienten wichtig: Eine Immuntherapie wirkt nicht bei jeder Tumorerkrankung und nicht bei jedem Patienten gleich. Auch der Wirkungseintritt und die Dauer der Behandlung können sich erheblich unterscheiden.

Wie läuft eine Immuntherapie ab?

Viele Immuntherapeutika werden in festgelegten Abständen als Infusion verabreicht. Einige Wirkstoffe können auch als Injektion gegeben werden. Vor und während der Behandlung kontrolliert das medizinische Team je nach Therapie unter anderem Blutbild, Leber- und Nierenwerte sowie hormonelle Funktionen. Die genaue Überwachung richtet sich nach Wirkstoff, Tumorerkrankung und persönlicher Situation.

Patienten sollten zu jedem Termin eine möglichst vollständige Liste ihrer Medikamente, frei verkäuflichen Präparate und Nahrungsergänzungsmittel bereithalten. Das erleichtert die Prüfung möglicher Wechselwirkungen und die Einordnung neuer Beschwerden.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Immuntherapien können das Immunsystem stärker aktivieren als gewünscht. Dadurch können sogenannte immunvermittelte Nebenwirkungen entstehen. Sie betreffen nicht nur Haut oder Darm, sondern prinzipiell unterschiedliche Organe. Möglich sind beispielsweise Hautausschlag und Juckreiz, Durchfall, Entzündungen von Leber oder Lunge sowie Veränderungen der Schilddrüsen- oder anderer Hormonfunktionen.

Entscheidend ist nicht, jede mögliche Nebenwirkung auswendig zu kennen. Wichtig ist, neue Beschwerden nicht vorschnell als harmlos abzutun. Auch Symptome, die zunächst wenig mit der Krebstherapie zu tun zu haben scheinen, können relevant sein.

Welche Warnzeichen sollten zeitnah abgeklärt werden?

Kontaktieren Sie Ihr Behandlungsteam entsprechend der individuellen Notfall- und Kontaktvereinbarung, insbesondere bei neu aufgetretenen oder zunehmenden Beschwerden:

Warnzeichen Was tun
Ausgeprägte Atemnot Notfallkontakt oder Notruf 112
Anhaltender oder starker Durchfall Behandlungsteam zeitnah informieren
Deutliche Schwäche, starkes Krankheitsgefühl Behandlungsteam informieren
Gelbfärbung von Haut oder Augen Behandlungsteam zeitnah informieren
Starke Kopfschmerzen, Verwirrtheit Notfallkontakt oder Notruf 112
Auffälliger Durst oder verändertes Wasserlassen Behandlungsteam informieren
Fieber Behandlungsteam nach individueller Notfallanweisung
Ausgeprägte Hautreaktionen Behandlungsteam zeitnah informieren

Eine Immuntherapie sollte nicht eigenständig unterbrochen werden. Auch Kortison oder andere Medikamente zur Behandlung immunvermittelter Nebenwirkungen gehören in die Hand des behandelnden Teams.

Immuntherapie ist nicht gleich „Immunsystem stärken"

Kommerzielle Präparate, hoch dosierte Vitamine oder pflanzliche Mittel, die eine allgemeine „Stärkung des Immunsystems" versprechen, sind nicht mit einer medizinischen Immuntherapie gleichzusetzen. Während einer Krebstherapie sollten solche Produkte nicht ohne Rücksprache eingesetzt werden, weil Nutzen, Risiken und mögliche Wechselwirkungen individuell bewertet werden müssen.

Welche Rolle spielt die Apotheke?

Die onkologische Pharmazie ergänzt die ärztliche Behandlung durch den Blick auf die gesamte Medikation. Relevant sind Wechselwirkungen, Doppelverordnungen, Begleitmedikamente, frei verkäufliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel. Bei einer komplexen Krebstherapie kann bereits eine scheinbar kleine zusätzliche Medikation relevant sein.

Häufige Fragen

Ist eine Immuntherapie schonender als eine Chemotherapie?
Sie wirkt anders und hat ein anderes Nebenwirkungsprofil. Das bedeutet nicht automatisch, dass sie nebenwirkungsarm ist. Immunvermittelte Nebenwirkungen können ernst sein und müssen früh erkannt werden.
Wann treten Nebenwirkungen einer Immuntherapie auf?
Sie können während der Behandlung, aber auch zeitversetzt auftreten. Neue Beschwerden sollten deshalb auch nach einem Behandlungszyklus mit dem onkologischen Team besprochen werden.
Darf ich Nahrungsergänzungsmittel während einer Immuntherapie nehmen?
Nicht ohne Rücksprache. Produkte sollten anhand des konkreten Wirkstoffs und der gesamten Medikation geprüft werden.
Kann eine Immuntherapie noch nach der letzten Infusion Nebenwirkungen verursachen?
Ja. Immunvermittelte Nebenwirkungen können zeitversetzt auftreten. Neue oder ungewöhnliche Beschwerden sollten deshalb auch nach Therapieende mit dem Behandlungsteam besprochen werden.
Ist eine Immuntherapie dasselbe wie eine CAR-T-Zelltherapie?
Nein. CAR-T-Zelltherapien sind eine eigene Untergruppe der Immuntherapien, die mit einem aufwendigen Verfahren patienteneigene Immunzellen genetisch verändert. Die häufiger eingesetzten Checkpoint-Inhibitoren wirken über einen anderen Mechanismus.
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Onkologische Beratung

Quellen

  1. Immuntherapie gegen Krebs – Krebsinformationsdienst, DKFZ
  2. S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen Patienten – Leitlinienprogramm Onkologie
Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde von unserem Apothekenteam sorgfältig recherchiert und auf Basis der genannten Quellen erstellt. Er dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Krebstherapien und ihre Nebenwirkungen verlaufen bei jedem Menschen unterschiedlich – maßgeblich sind immer die Vorgaben Ihres Behandlungsteams und die Packungsbeilage Ihrer Medikamente. Ändern Sie Ihre Therapie nicht eigenständig. Trotz sorgfältiger Prüfung können wir für Vollständigkeit und Aktualität keine Gewähr übernehmen. Bei Warnzeichen wenden Sie sich sofort an Ihr Behandlungsteam, außerhalb der Sprechzeiten an den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117 oder im Notfall an 112.

Anne Häusler

Ansprechpartnerin

Anne Häusler
Bereichsleitung Onkologie | Leitung Sterilabteilung | Apothekerin | Onkologische Pharmazeutin nach DGOP
Anne Häusler verantwortet den Bereich Onkologie und verbindet fundierte pharmazeutische Expertise mit langjähriger Erfahrung in der onkologischen Versorgung. Als approbierte Apothekerin und Onkologische Pharmazeutin nach DGOP ist Sie für die Einhaltung höchster Qualitätsstandards in der patientenindividuellen Herstellung und Patientenbetreuung verantwortlich. Ihr Schwerpunkt liegt auf der sicheren, leitliniengerechten Versorgung sowie der kontinuierlichen Optimierung steriler Prozesse und interdisziplinärer Abläufe in der Onkologie. Profil ansehen
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