Die erste Chemotherapie – Ablauf, Vorbereitung und was Patienten vor dem ersten Termin wissen sollten

Ärztin im Gespräch mit Patientin vor der Chemotherapie
← Zurück zu: Krebstherapien

Stand: 07.10.2026 · 4 Min. Lesezeit ·

Kurz erklärt

Wie eine Chemotherapie abläuft, hängt von Krebsart, Wirkstoffen und persönlicher Situation ab. Vor Beginn werden unter anderem Erkrankung, Organfunktionen und Blutwerte berücksichtigt. Viele ambulante Therapien erfolgen in Zyklen und werden von Begleitmedikamenten ergänzt. Für den ersten Termin hilft vor allem eine vollständige Medikamentenliste, Klarheit über Ansprechpartner und eine realistische Planung des Tages.

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Keine zwei Chemotherapien sind gleich – informieren Sie sich genau über Ihr persönliches Therapieschema.
  • Bringen Sie eine vollständige Liste aller Medikamente und Nahrungsergänzungen zum ersten Termin mit.
  • Klären Sie im Voraus: Darf ich vorher essen? Kann ich danach selbst fahren? Wen rufe ich bei Problemen an?
  • Begleitmedikamente gegen Übelkeit und andere Nebenwirkungen sind Teil der Therapie – nehmen Sie sie planmäßig ein.
  • Notieren Sie neue Beschwerden mit Zeitpunkt und Stärke – das hilft beim nächsten Gespräch mit dem Behandlungsteam.

Warum keine Chemotherapie genau wie eine andere ist

Der Begriff Chemotherapie umfasst viele verschiedene Wirkstoffe und Kombinationen. Unterschiedliche Tumorerkrankungen brauchen unterschiedliche Schemata. Deshalb können Dauer einer Infusion, Zahl der Behandlungstage, Pausen zwischen den Zyklen und die zu erwartenden Nebenwirkungen stark verschieden sein.

Vor Beginn erklärt das Behandlungsteam den individuellen Therapieplan. Es ist besser, sich an diesem Plan zu orientieren als an den Erfahrungen anderer Patienten – denn jede Situation ist anders.

Was wird vor dem ersten Zyklus geprüft?

Vor einer Chemotherapie erfolgen je nach Erkrankung und Wirkstoff verschiedene Untersuchungen. Dazu gehören häufig Blutuntersuchungen und die Beurteilung von Leber- und Nierenfunktion. Diese Untersuchungen helfen, Dosis und Behandlungsablauf sicher zu planen.

Wichtig ist außerdem eine vollständige Übersicht aller Arzneimittel: verschreibungspflichtige Medikamente, Schmerzmittel, pflanzliche Präparate, Vitamine und andere Nahrungsergänzungen. Gerade vor einer neuen Tumortherapie kann ein Abgleich helfen, mögliche Wechselwirkungen oder Doppelmedikationen zu erkennen.

Wie läuft ein ambulanter Behandlungstag typischerweise ab?

Viele Patienten kommen für die Chemotherapie in eine onkologische Praxis oder Tagesklinik. Nach den vorgesehenen Kontrollen werden je nach Schema zunächst Begleitmedikamente und dann die Tumormedikamente verabreicht. Je nach Wirkstoff kann die Behandlung weniger als eine Stunde bis zu mehreren Stunden dauern.

Patienten sollten Veränderungen während der Infusion sofort ansprechen – etwa plötzliches Unwohlsein, Atembeschwerden, Hautreaktionen, Schüttelfrost oder Schmerzen an der Infusionsstelle.

Was gehört zur Begleitmedikation?

Supportive Medikamente sollen vorhersehbare Nebenwirkungen verhindern oder vermindern. Dazu können zum Beispiel Mittel gegen Übelkeit gehören. Je nach Therapie kommen weitere Maßnahmen hinzu, etwa zur Infektionsprophylaxe oder zum Schutz bestimmter Organe.

Diese Medikamente sind Teil des Therapiekonzepts. Unklarheiten zu Zeitpunkt, Dauer oder Kombination sollten vor dem ersten Zyklus geklärt werden.

Vier Fragen, die vor dem ersten Termin geklärt sein sollten

1. Was bekomme ich, und was soll ich wann einnehmen? Bitten Sie das Behandlungsteam um einen schriftlichen Einnahmeplan. Er sollte Begleitmedikamente, Einnahmezeiten und besondere Hinweise enthalten.

2. Was ist mit meinen bisherigen Medikamenten? Klären Sie vorab, welche Medikamente Sie am Behandlungstag einnehmen sollen und welche nicht. Nicht eigenständig absetzen oder ändern.

3. Wen rufe ich bei Problemen an? Notieren Sie die Telefonnummer des Behandlungsteams für Öffnungszeiten und einen Notfallkontakt für andere Zeiten. Speichern Sie beides im Mobiltelefon und auf Papier.

4. Wie plane ich den Behandlungstag? Bequeme Kleidung, etwas zu trinken oder zu essen, aktuelle Unterlagen und Unterhaltung für Wartezeiten können den Tag erleichtern. Ob Sie nach der Behandlung selbst fahren dürfen, hängt von Therapie, Begleitmedikation und Ihrem Befinden ab.

Was sollte nach dem ersten Zyklus beobachtet werden?

Notieren Sie neue Beschwerden, deren Zeitpunkt und Stärke. Das hilft dem Behandlungsteam, Nebenwirkungen einzuordnen. Bestimmte Symptome wie Fieber, Atemnot, starke anhaltende Beschwerden, unstillbares Erbrechen oder ausgeprägter Durchfall können eine rasche Abklärung erfordern. Halten Sie sich dabei an die Notfallinformationen Ihres onkologischen Teams.

Ein einfaches Tagebuch kann vier Spalten enthalten: Datum – Symptom – Stärke 0 bis 10 – eingenommene Bedarfsmedikation oder Maßnahme. Das schafft eine bessere Grundlage für das Gespräch vor dem nächsten Zyklus.

Nicht eigenständig „vorsorgen"

Viele Patienten möchten vor einer Chemotherapie Vitamine, pflanzliche Präparate oder andere Produkte zur „Stärkung" einnehmen. Das sollte nicht ohne Prüfung erfolgen. Einige Präparate können die Wirkung von Krebsmedikamenten beeinflussen. Sinnvoller ist eine individuelle Überprüfung der gesamten Medikation und des Ernährungszustands durch das Behandlungsteam oder die Apotheke.

Checkliste für den ersten Termin

  • Aktueller Medikationsplan (alle Arzneimittel, auch frei verkäufliche)
  • Liste von Nahrungsergänzungen und pflanzlichen Präparaten
  • Therapie- und Begleitmedikationsplan
  • Telefonnummern des Behandlungsteams (Öffnungszeiten und Notfall)
  • Bekannte Allergien oder Unverträglichkeiten
  • Fragenliste für Arzt oder Apotheke
  • Möglichkeit zur Dokumentation der ersten Tage (Notizbuch oder App)

Häufige Fragen

Muss ich zur Chemotherapie nüchtern erscheinen?
Oft nicht. Es gibt aber therapieabhängige Ausnahmen. Entscheidend sind die konkreten Hinweise Ihrer Praxis oder Klinik.
Welche Medikamente muss ich beim ersten Termin angeben?
Alle: verschreibungspflichtige Arzneimittel, frei verkäufliche Mittel, pflanzliche Produkte, Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel.
Kann ich nach einer Chemotherapie selbst Auto fahren?
Das hängt von Wirkstoffen, Begleitmedikation und Ihrem Befinden ab. Klären Sie dies vor dem ersten Behandlungstag mit dem Behandlungsteam.
Soll ich meine normalen Medikamente am Chemotag einnehmen?
Das sollte vorab anhand des individuellen Medikationsplans geklärt werden. Medikamente nicht eigenständig absetzen oder zusätzlich einnehmen.
Was ist ein sinnvolles Nebenwirkungstagebuch?
Notieren Sie Zeitpunkt, Art und Stärke der Beschwerden sowie eingenommene Bedarfsmedikamente oder getroffene Maßnahmen. Das erleichtert das Gespräch vor dem nächsten Zyklus.
Gut vorbereitet in die Therapie

Wir helfen Ihnen, Medikation, Begleitmedikamente und Einnahmehinweise vor und während Ihrer Krebstherapie verständlich zu strukturieren.

Beratung vereinbaren

Quellen

  1. Wie läuft eine Chemotherapie ab? – Krebsinformationsdienst, DKFZ
  2. Chemotherapie-Medikamente: Wirkstoffe und Nebenwirkungen – Krebsinformationsdienst, DKFZ
  3. S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen Patienten – Leitlinienprogramm Onkologie
Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde von unserem Apothekenteam sorgfältig recherchiert und auf Basis der genannten Quellen erstellt. Er dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Krebstherapien und ihre Nebenwirkungen verlaufen bei jedem Menschen unterschiedlich – maßgeblich sind immer die Vorgaben Ihres Behandlungsteams und die Packungsbeilage Ihrer Medikamente. Ändern Sie Ihre Therapie nicht eigenständig. Trotz sorgfältiger Prüfung können wir für Vollständigkeit und Aktualität keine Gewähr übernehmen. Bei Warnzeichen wenden Sie sich sofort an Ihr Behandlungsteam, außerhalb der Sprechzeiten an den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117 oder im Notfall an 112.

Anne Häusler

Ansprechpartnerin

Anne Häusler
Bereichsleitung Onkologie | Leitung Sterilabteilung | Apothekerin | Onkologische Pharmazeutin nach DGOP
Anne Häusler verantwortet den Bereich Onkologie und verbindet fundierte pharmazeutische Expertise mit langjähriger Erfahrung in der onkologischen Versorgung. Als approbierte Apothekerin und Onkologische Pharmazeutin nach DGOP ist Sie für die Einhaltung höchster Qualitätsstandards in der patientenindividuellen Herstellung und Patientenbetreuung verantwortlich. Ihr Schwerpunkt liegt auf der sicheren, leitliniengerechten Versorgung sowie der kontinuierlichen Optimierung steriler Prozesse und interdisziplinärer Abläufe in der Onkologie. Profil ansehen
040 523889-125
onkologie@antares-apo.de

← Alle Artikel: Krebstherapien

Onkologie Ratgeber

Weitere Themen aus unserem Onkologie Ratgeber

Zertifizierte Qualität und sichere Prozesse

Unsere GDP- und ISO-Zertifizierungen stehen für geprüfte Qualität, verlässliche Abläufe und eine sichere Arzneimittelversorgung. Sie bestätigen unter anderem die fachgerechte Lagerung, Prüfung, Dokumentation und Auslieferung von Arzneimitteln sowie ein wirksames Qualitäts- und Logistikmanagement.

Termin buchen