
Antikörper-Wirkstoff-Konjugate verbinden einen zielgerichteten Antikörper mit einem hochwirksamen Wirkstoff. Dadurch soll die zytotoxische Wirkung stärker an Tumorzellen herangeführt werden. Trotz der Zielgerichtetheit können relevante systemische Nebenwirkungen auftreten, deren Muster vom jeweiligen Präparat abhängt.
Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC) bestehen aus drei Teilen: einem Antikörper, der an eine bestimmte Struktur auf Tumorzellen bindet; einem hochpotenten zytotoxischen Wirkstoff (die sogenannte Nutzlast); und einem Linker, der beide verbindet.
Das Prinzip: Der Antikörper bringt den Wirkstoff gezielt zur Tumorzelle. Nach der Bindung wird der Komplex in die Zelle aufgenommen und der zytotoxische Wirkstoff freigesetzt. Dadurch soll eine hohe Konzentration des Wirkstoffs direkt in der Zielzelle erreicht werden.
Trotz des gezielten Mechanismus können ADCs relevante systemische Nebenwirkungen verursachen. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen binden ADCs auch an Zellen, die die Zielstruktur nicht nur auf Tumorzellen tragen. Zum anderen kann der zytotoxische Wirkstoff – je nach Stabilität des Linkers – vorzeitig freigesetzt werden.
Das Nebenwirkungsprofil hängt stark vom eingesetzten Präparat ab: Blutbildveränderungen, Übelkeit, Haarausfall, Nervenschäden oder organspezifische Wirkungen können je nach ADC unterschiedlich ausgeprägt sein.
Bei bestimmten ADC-Präparaten ist das Risiko einer Entzündung oder Fibrose des Lungengewebes (interstitielle Lungenerkrankung) bekannt. Patienten, die neu auftretende Atemnot, Husten oder Veränderungen beim Atmen bemerken, sollten das dem Behandlungsteam mitteilen.
Je nach Präparat können regelmäßige Blutbildkontrollen und Überprüfungen von Leberwerten oder anderen Parametern notwendig sein. Auffalligkeiten sollten immer im Zusammenhang mit der laufenden ADC-Therapie bewertet werden.
Wie bei vielen intravenösen Krebsmedikamenten können während oder nach der Infusion Reaktionen auftreten: Rötung, Fieber, Schüttelfrost, Blutdruckveränderungen. Das Behandlungsteam ist auf solche Reaktionen vorbereitet und gibt Hinweise zum Verhalten.
ADCs werden intravenös verabreicht, interagieren aber trotzdem mit dem Gesamtmedikamentenprofil des Patienten. Frei verkäufliche Mittel, pflanzliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel sollten regelmäßig in einen Medikationscheck einbezogen werden. Bestimmte Substanzen können Enzymsysteme beeinflussen, die auch für die Verarbeitung von ADCs relevant sein können.
Alle regelmäßig und bei Bedarf eingenommenen Medikamente, frei verkäufliche Präparate und Nahrungsergänzungsmittel – auch scheinbar harmlose Produkte. Je nach Wirkstoff und Linker-Typ können Kombinationen relevant sein. Neue Beschwerden mit genauen Zeitangaben helfen, einen Zusammenhang mit der Therapie zu beurteilen.
Wir unterstützen bei Wechselwirkungsprüfung, Einnahmeregeln und der Einordnung typischer Nebenwirkungen Ihrer ADC-Therapie.
Dieser Artikel wurde von unserem Apothekenteam sorgfältig recherchiert und auf Basis der genannten Quellen erstellt. Er dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Krebstherapien und ihre Nebenwirkungen verlaufen bei jedem Menschen unterschiedlich – maßgeblich sind immer die Vorgaben Ihres Behandlungsteams und die Packungsbeilage Ihrer Medikamente. Ändern Sie Ihre Therapie nicht eigenständig. Trotz sorgfältiger Prüfung können wir für Vollständigkeit und Aktualität keine Gewähr übernehmen. Bei Warnzeichen wenden Sie sich sofort an Ihr Behandlungsteam, außerhalb der Sprechzeiten an den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117 oder im Notfall an 112.

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