Impfungen bei Krebs – sicher geschützt trotz geschwächtem Immunsystem.

Warum Impfungen für Krebspatient:innen besonders wichtig sind:

Infektionen verlaufen bei Krebspatient:innen oft schwerer als bei Gesunden und können den Verlauf einer Therapie verzögern. Das Immunsystem kann durch die Erkrankung selbst, durch Chemo- oder Strahlentherapie geschwächt sein –  Diese Schwächung kann auch noch einige Zeit nach der Behandlung fortbestehen. Daher benötigen Krebspatient:innen einen besonders zuverlässigen Impfschutz!

Vor jeder Impfung sollte immer eine Rücksprache mit der behandelnden Onkologin oder dem Onkologen erfolgen. Diese beurteilen individuell, wie stark Ihr Immunsystem eingeschränkt und wie hoch Ihr Infektionsrisiko ist. So kann individuell entschieden werden, welche Impfungen aktuell sinnvoll und sicher sind.

Aktiver und passiver Impfschutz – was ist der Unterschied?

Aktive Immunisierung

Bei der aktiven Immunisierung wird das eigene Immunsystem aktiviert.

Der Impfstoff enthält:

abgeschwächte Erreger,
abgetötete Erreger,
Bestandteile des Erregers,
oder Baupläne dafür (z. B. mRNA).

Der Körper reagiert darauf und bildet selbst:

Antikörper
Gedächtniszellen

Dadurch entsteht ein längerfristiger Schutz.

Eigenschaften

Schutz beginnt erst nach Tagen oder Wochen
hält oft viele Jahre
manchmal sind Auffrischimpfungen nötig

Passive Immunisierung

Bei der passiven Immunisierung bekommt man „fertige“ Antikörper von außen, so dass das Immunsystem die Antikörper nicht selbst herstellen muss.

Der Schutz wirkt:

sehr schnell
aber nur kurzzeitig, weil die Antikörper wieder abgebaut werden . Es entstehen normalerweise keine Gedächtniszellen.

Eigenschaften

sofortige Wirkung
Schutz nur für Wochen bis wenige Monate
wird oft im Notfall eingesetzt

Totimpfstoffe und Lebendimpfstoffe – was gilt für Krebspatient:innen?

Totimpfstoff

Lebensimpfstoff 

sehr schnell
aber nur kurzzeitig, weil die Antikörper wieder abgebaut werden . Es entstehen normalerweise keine Gedächtniszellen.

Die Erreger können sich nicht vermehren und keine Krankheit auslösen. 

Das Immunsystem erkennt die Bestandteile trotzdem und bildet einen Schutz.

sehr schnell
aber nur kurzzeitig, weil die Antikörper wieder abgebaut werden . Es entstehen normalerweise keine Gedächtniszellen.

Die Erreger können sich noch begrenzt vermehren, machen gesunde Menschen aber normalerweise nicht krank.

Dadurch entsteht oft eine besonders starke und langanhaltende Immunantwort.

Eigenschaften

sehr sicher, auch für viele Menschen mit geschwächtem Immunsystem
oft mehrere Dosen nötig
Auffrischung häufiger Notwendig

Eigenschaften

häufig sehr wirksamer und langer Schutz 
oft weniger Impfungen nötig 
für Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem teilweise ungeeignet

Totimpfstoffe sind auch während einer Krebstherapie sicher anwendbar.

Sollten bei immungeschwächten Patient:innen nicht angewendet werden. Über eine Impfung mit Lebendimpfstoffen kann in Einzelfällen eine individuelle Entscheidung mit dem behandelnden Arzt/In entschieden werden

Zum Beispiel Impfungen gegen: Diphtherie, Grippe, Hepatitis A/B, Keuchhusten, Kinderlähmung und Pneumokokken

Zum Beispiel Impfungen gegen: Masern, Mumps, Röteln oder Gelbfieber

Grundimmunisierung und Auffrischung

Unter einer Grundimmunisierung versteht man den ersten Aufbau des Impfschutzes. Dabei bekommt der Körper eine oder mehrere Impfstoffdosen, damit das Immunsystem:

den Erreger „kennenlernt“ 
Antikörper bildet 
sogenannte Gedächtniszellen aufbaut 

Je nach Krankheit braucht man dafür mehrere Impfungen in bestimmten Abständen, sogenannten Impfschemata. Unter einer  Auffrischimpfung (Booster) versteht man die Gabe einer Impfstoffdosis zu einem späteren Zeitpunkt, wenn der Schutz nachlässt.

Sie erinnert das Immunsystem an den Erreger und sorgt dafür, dass:

die Antikörpermenge wieder steigt 
der Schutz länger erhalten bleibt 
das Immungedächtnis reaktiviert wird

Ein Blick in die Zukunft – Impfstoffe gegen KrebszellenDie Forschung arbeitet intensiv an neuen Impfstoffen, die direkt gegen Krebszellen wirken sollen. Ziel ist es, das Immunsystem so zu trainieren, dass es entartete Zellen selbstständig erkennt und bekämpft. Besonders mRNA-Impfstoffe zeigen hier großes Potenzial für zukünftige Krebstherapien.

Empfohlene Impfungen bei Tumorpatient:innen

Vor Beginn einer Krebstherapie sollten möglichst alle Impflücken geschlossen werden. Während der Therapie sind Impfungen mit Totimpfstoffen weiterhin möglich. Nach Abschluss der Behandlung sollte der Impfschutz überprüft und, falls nötig, erneuert werden – denn durch die Krebstherapie kann der Körper bereits vorhandene Abwehrkräfte verlieren. Auch enge Kontaktpersonen sollten vollständig geimpft sein, um das Infektionsrisiko zu verringern.

Empfohlene Impfungen laut DGHO & STIKO:

Hepatitis B
Diphtherie
Tetanus
Keuchhusten
Polio
Pneumokokken
Meningokokken
Grippe (Influenza)
COVID-19

Typische Impfreaktionen – was normal ist

Direkt nach der Impfung oder auch noch Tage oder Wochen später:

leichte Rötung, 
Schwellung oder Schmerzen an der Einstichstelle, 
Fieber oder Gliederschmerzen 
Unwohlsein

Das Risiko für schwere Impfnebenwirkungen ist sehr gering. Die meisten Schutzimpfungen werden seit vielen Jahren und Jahrzehnten eingesetzt. Es gibt keinen Nachweis, dass Impfungen Krebs fördern oder den Verlauf einer Krebserkrankung verschlechtern.

Ansprechpartnerin

Anne Häusler
Bereichsleitung Onkologie | Leitung Sterilabteilung | Apothekerin | Onkologische Pharmazeutin nach DGOP
Anne Häusler verantwortet den Bereich Onkologie und verbindet fundierte pharmazeutische Expertise mit langjähriger Erfahrung in der onkologischen Versorgung. Als approbierte Apothekerin und Onkologische Pharmazeutin nach DGOP ist Sie für die Einhaltung höchster Qualitätsstandards in der patientenindividuellen Herstellung und Patientenbetreuung verantwortlich. Ihr Schwerpunkt liegt auf der sicheren, leitliniengerechten Versorgung sowie der kontinuierlichen Optimierung steriler Prozesse und interdisziplinärer Abläufe in der Onkologie.
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