Herz und Krebstherapie – Kardiotoxizität, Monitoring und Warnzeichen

Arzt schaut auf EKG-Kurve auf einem Bildschirm
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Stand: 07.10.2026 · 2 Min. Lesezeit ·

Kurz erklärt

Manche Krebsmedikamente können das Herz belasten. Das reicht von vorübergehenden EKG-Veränderungen bis zu relevanten Einschränkungen der Herzfunktion. Regelmäßiges Monitoring und das frühzeitige Melden von Beschwerden wie Atemnot oder Brustschmerz sind entscheidend.

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Bestimmte Krebsmedikamente können die Herzfunktion beeinflussen – Monitoring ist deshalb Teil vieler Therapiepläne.
  • Atemnot, Brustschmerz, Beinödeme oder Herzrasen dem Behandlungsteam sofort melden.
  • Akuter Brustschmerz oder schwere Atemnot: Notruf 112.
  • Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes erhöhen das Risiko – gute Einstellung hilft.
  • Medikamentencheck bei Herzproblemen wichtig – nicht alle Herzmedikamente passen zu allen Krebstherapien.

Warum kann Krebstherapie das Herz belasten?

Nicht alle Krebsmedikamente sind kardiotoxisch, aber einige können Herzfunktion, Rhythmus oder Gefäße beeinflussen. Das Risiko variiert stark je nach Wirkstoff, Dosierung und persönlichen Risikofaktoren wie vorbestehenden Herzerkrankungen, Bluthochdruck oder Diabetes.

Die gute Nachricht: Kardiotoxizität ist bei vielen Therapien beherrschbar, wenn sie früh erkannt wird. Deshalb ist das Monitoring ein fester Bestandteil vieler Therapiepläne.

Welche Medikamente sind bekannt?

Zu den bekannten kardiotoxischen Wirkstoffgruppen gehören:

  • Anthrazykline (z. B. Doxorubicin, Epirubicin): dosisabhängiger Einfluss auf die Herzmuskelzellen; kumulative Dosislimits sind festgelegt.
  • HER2-zielende Antikörper (z. B. Trastuzumab): Können die Pumpleistung des Herzens beeinflussen; häufig reversibel nach Therapieende.
  • Kinasehemmer: Heterogene Gruppe; einzelne Vertreter beeinflussen Herzrhythmus (QT-Verlängerung) oder Blutdruck.
  • Fluoropyrimidine (z. B. 5-FU, Capecitabin): Können in seltenen Fällen Koronarspasmus auslösen.
  • Immuntherapien: Bestimmte Checkpoint-Inhibitoren können Herzmuskelentzündung (Myokarditis) verursachen.

Diese Liste ist nicht vollständig. Der Therapieplan enthält Informationen zu den spezifischen Risiken des eingesetzten Wirkstoffs.

Monitoring: was, wann, warum

Je nach Therapie und individuellem Risiko werden Herzuntersuchungen eingesetzt:

  • EKG: Erkennt Rhythmusstörungen oder QT-Veränderungen.
  • Echokardiographie: Bewertet die Herzfunktion (Auswurffraktion).
  • Biomarker (Troponin, BNP): Laborzeichen für Herzstress oder -belastung.

Der Rhythmus der Kontrolluntersuchungen wird vom Behandlungsteam festgelegt.

Warnzeichen

Warnzeichen – sofort melden
  • Atemnot bei geringer Belastung oder in Ruhe
  • Neu auftretender Brustschmerz oder Druck auf der Brust
  • Herzrasen, Stolpern des Herzens oder unregelmäßiger Puls
  • Beinödeme (Wassereinlagerungen), besonders wenn neu oder zunehmend
  • Ungewöhnliche Erschöpfung im Alltag

Diese Beschwerden gehören unverzüglich zum Behandlungsteam.

Akuter Brustschmerz oder schwere Atemnot: Notruf 112.

Begleiterkrankungen einbeziehen

Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und vorbestehende Herzerkrankungen erhöhen das Risiko für kardiale Nebenwirkungen. Eine gute Einstellung dieser Erkrankungen vor und während der Krebstherapie ist relevant.

Herzmedikamente und Krebstherapie

Wenn Herzmedikamente und Krebstherapie gleichzeitig eingenommen werden, kann eine Wechselwirkungsprüfung sinnvoll sein. Nicht alle Kombinationen sind problemlos. Herzmedikamente nie ohne Rücksprache absetzen oder in der Dosis verändern.

Häufige Fragen

Welche Krebsmedikamente belasten das Herz?
Anthrazykline (z. B. Doxorubicin), bestimmte zielgerichtete Therapien wie Trastuzumab oder Kinasehemmer sowie Fluoropyrimidine können die Herzfunktion beeinflussen. Die Ausprägung hängt von Wirkstoff, Dosis und individuellen Risikofaktoren ab.
Was ist Kardiotoxizität?
Kardiotoxizität beschreibt schädigende Auswirkungen von Arzneimitteln auf das Herz. Sie kann sich als Einschränkung der Pumpleistung, Herzrhythmusstörungen oder andere Herzfunktionsstörungen zeigen.
Wie wird das Herz während der Krebstherapie überwacht?
Je nach Therapie können EKG, Echokardiographie oder Blutmarker (z. B. Troponin) eingesetzt werden. Wann und wie oft Kontrollen stattfinden, legt das Behandlungsteam fest.
Kann eine Herzschädigung rückgängig gemacht werden?
Das hängt vom Ausmaß und der Ursache ab. Frühzeitige Erkennung verbessert die Möglichkeiten. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen und das Melden von Symptomen so wichtig.
Muss ich mein Herzmedikament absetzen?
Nein – Herzmedikamente nie ohne Rücksprache absetzen. Bei Unsicherheit das Behandlungsteam oder die Apotheke kontaktieren.
Herzmedikation und Krebstherapie zusammen prüfen

Wir prüfen, ob Herz- und Krebsmedikamente zusammenpassen, und klären Wechselwirkungen im Rahmen eines Medikationschecks.

Arzneimittelberatung anfragen

Quellen

  1. Herz und Krebstherapie – Krebsinformationsdienst, DKFZ
  2. S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen Patienten – Leitlinienprogramm Onkologie
Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde von unserem Apothekenteam sorgfältig recherchiert und auf Basis der genannten Quellen erstellt. Er dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Krebstherapien und ihre Nebenwirkungen verlaufen bei jedem Menschen unterschiedlich – maßgeblich sind immer die Vorgaben Ihres Behandlungsteams und die Packungsbeilage Ihrer Medikamente. Ändern Sie Ihre Therapie nicht eigenständig. Trotz sorgfältiger Prüfung können wir für Vollständigkeit und Aktualität keine Gewähr übernehmen. Bei Warnzeichen wenden Sie sich sofort an Ihr Behandlungsteam, außerhalb der Sprechzeiten an den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117 oder im Notfall an 112.

Anne Häusler

Ansprechpartnerin

Anne Häusler
Bereichsleitung Onkologie | Leitung Sterilabteilung | Apothekerin | Onkologische Pharmazeutin nach DGOP
Anne Häusler verantwortet den Bereich Onkologie und verbindet fundierte pharmazeutische Expertise mit langjähriger Erfahrung in der onkologischen Versorgung. Als approbierte Apothekerin und Onkologische Pharmazeutin nach DGOP ist Sie für die Einhaltung höchster Qualitätsstandards in der patientenindividuellen Herstellung und Patientenbetreuung verantwortlich. Ihr Schwerpunkt liegt auf der sicheren, leitliniengerechten Versorgung sowie der kontinuierlichen Optimierung steriler Prozesse und interdisziplinärer Abläufe in der Onkologie. Profil ansehen
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