
Ungewollter Gewichtsverlust ist bei Krebs nicht automatisch harmlos. Besonders kritisch ist der Verlust von Muskelmasse. Die S3-Leitlinie zur klinischen Ernährung empfiehlt, Patienten mit einer onkologischen Erkrankung frühzeitig und wiederholt auf Mangelernährung zu screenen. Je früher Ernährungsprobleme erkannt werden, desto gezielter lassen sich Energie- und Eiweißzufuhr, Beschwerden und gegebenenfalls Trink- oder künstliche Ernährung anpassen.
Krebserkrankung und Behandlung können den Ernährungszustand auf mehreren Wegen beeinflussen. Appetitlosigkeit, Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Schmerzen, Geschmacksveränderungen oder Probleme beim Kauen und Schlucken können die Nahrungsaufnahme vermindern. Gleichzeitig kann sich der Stoffwechsel verändern und der Energie- oder Eiweißbedarf steigen.
Deshalb reicht der Rat „einfach mehr essen" häufig nicht aus. Zuerst sollte geklärt werden, warum Gewicht verloren geht.
Gewicht allein zeigt nicht, wie sich Fett- und Muskelmasse verändern. Auch Menschen mit normalem oder höherem Körpergewicht können relevante Muskelmasse verlieren. Dies kann körperliche Leistungsfähigkeit, Alltag und Therapieverträglichkeit beeinträchtigen.
Eine professionelle Ernährungsbeurteilung berücksichtigt daher mehr als den Body-Mass-Index: Verlauf des Körpergewichts, Nahrungsaufnahme, Beschwerden und je nach Angebot auch Körperzusammensetzung oder funktionelle Parameter.
Nicht erst bei starkem Untergewicht. Sinnvoll ist eine frühe Beratung bei unbeabsichtigtem Gewichtsverlust, deutlich geringerer Essmenge, anhaltenden Nebenwirkungen, Schwierigkeiten beim Schlucken oder wenn Mahlzeiten zunehmend zum Problem werden.
Die aktuelle S3-Leitlinie empfiehlt ein möglichst frühes und im Verlauf wiederholtes Screening auf Mangelernährung. Das macht Ernährung zu einem regulären Bestandteil der onkologischen Versorgung und nicht zu einer Maßnahme erst am Ende einer langen Gewichtsabnahme.
Die beste Strategie hängt von den Beschwerden ab. Häufig helfen kleinere, energiereichere Mahlzeiten, zusätzliche Eiweißquellen und eine Anpassung von Konsistenz oder Geschmack. Entscheidend ist nicht die theoretisch „perfekte" Ernährung, sondern eine Versorgung, die tatsächlich gegessen und vertragen wird.
Bei zu geringer Nahrungsaufnahme können ergänzende Trinknahrungen sinnvoll sein. Sie sollten gezielt ausgewählt und in den Tagesablauf integriert werden, damit sie normale Mahlzeiten nicht unnötig verdrängen.
Übelkeit, Entzündungen im Mund, Mundtrockenheit, Durchfall, Verstopfung oder Geschmacksstörungen brauchen jeweils andere Lösungen. Deshalb sollte Ernährungstherapie eng mit dem Nebenwirkungsmanagement verbunden sein.
Bei schmerzender Mundschleimhaut sind weiche, wenig reizende Speisen relevant; bei Durchfall können andere Empfehlungen sinnvoll sein als bei Verstopfung. Pauschale Krebsdiäten werden dieser Situation nicht gerecht.
Ein normaler oder erhöhter BMI schließt eine relevante Mangelernährung nicht aus. Entscheidend sind unter anderem unbeabsichtigter Gewichtsverlust, reduzierte Nahrungsaufnahme, Entzündungsaktivität, funktionelle Einschränkungen und Veränderungen der Muskelmasse. Das ist onkologisch besonders wichtig, weil Reserven und Belastbarkeit die Therapiephase mitbestimmen.
Die S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Onkologie" behandelt Screening, Assessment und Ernährungstherapie ausdrücklich als Bestandteile der onkologischen Versorgung.
Wer die folgenden Fragen mit Ja beantwortet, sollte seinen Ernährungszustand professionell bewerten lassen:
Gewicht kann täuschen: Flüssigkeitseinlagerungen oder Fettmasse können einen Verlust von Muskelgewebe verdecken. Deshalb kann es sinnvoll sein, neben Gewicht und Verlauf auch funktionelle und körperzusammensetzungsbezogene Kriterien zu betrachten. Verfahren wie die Bioelektrische Impedanzanalyse können – richtig eingesetzt und interpretiert – zusätzliche Informationen liefern, ersetzen aber nicht die klinische Gesamtbeurteilung.
Das Ziel ist nicht, möglichst schnell künstliche Ernährung einzusetzen. Professionelle Ernährungstherapie beginnt mit der Frage, warum die Nahrungsaufnahme sinkt und welche Barriere behandelbar ist.
Übelkeit, Schmerzen, Verstopfung, Durchfall, Mundtrockenheit, Mukositis oder Geschmacksstörungen können Essen erschweren. Symptomkontrolle ist deshalb Teil der Ernährungstherapie.
Energie- und proteinreichere Mahlzeiten, kleinere Portionen oder angepasste Konsistenzen können helfen, die Aufnahme zu erhöhen.
Orale Nahrungssupplemente können Lücken schließen, wenn normales Essen den Bedarf nicht deckt. Produktwahl und Menge sollten zum Bedarf und zu Beschwerden passen.
Wenn die orale Aufnahme nicht ausreichend möglich ist, können weiterführende Verfahren medizinisch notwendig werden. Die Entscheidung gehört in das interprofessionelle Behandlungsteam.
Appetitmangel, Stoffwechselveränderungen und Nebenwirkungen lassen sich nicht allein durch Willenskraft lösen. Angehörige sollten deshalb Druck vermeiden. Hilfreicher ist es, konkrete Barrieren zu identifizieren und gemeinsam mit Ernährungsteam, Onkologie und Pharmazie zu bearbeiten.
Eine onkologisch spezialisierte Ernährungsberatung in der Apotheke kann Ernährungswissen mit pharmazeutischer Onkologie verbinden. Beschwerden, Medikation, Trinknahrung und – wo medizinisch erforderlich – weiterführende Ernährungslösungen können so gemeinsam betrachtet werden.
Ein sinnvoller erster Schritt ist ein Erstgespräch, in dem Ernährungszustand, aktuelle Beschwerden, Therapieschema und bisherige Maßnahmen erfasst werden.
Eine frühe Ernährungsanalyse kann helfen, Ursachen zu erkennen und Ernährung, Eiweißzufuhr und geeignete Ergänzungen systematisch anzupassen.
Dieser Artikel wurde von unserem Apothekenteam sorgfältig recherchiert und auf Basis der genannten Quellen erstellt. Er dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Krebstherapien und ihre Nebenwirkungen verlaufen bei jedem Menschen unterschiedlich – maßgeblich sind immer die Vorgaben Ihres Behandlungsteams und die Packungsbeilage Ihrer Medikamente. Ändern Sie Ihre Therapie nicht eigenständig. Trotz sorgfältiger Prüfung können wir für Vollständigkeit und Aktualität keine Gewähr übernehmen. Bei Warnzeichen wenden Sie sich sofort an Ihr Behandlungsteam, außerhalb der Sprechzeiten an den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117 oder im Notfall an 112.

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